Volltext: Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts (Bd. 2)

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geben, mir die anderen Theile Ihres Gedichtes zuzuschicken; 
kann man doch aus den Fusstapfen den Löwen erkennen. Ich 
habe das Stück, welches Sie mir geschickt haben, noch Nie- 
mandem gezeigt, und spare mir dasselbe für Jemanden auf, der 
dessen Schönheit zu verstehen im Stande ist. Denn das ist kein 
Wild für mittelmässige Maler: es hiesse Perlen vor die Säue 
Werfen, wenn man solchen Ihr Buch zu lesen geben wollte. 
Unterdess bin ich sehr betrübt, Ihnen als Erwiderung 
Nichts von dem Meinigen schicken zu können, wie Sie es 
wünschen; es ist von meinen Werken Nichts gestochen, und 
ich kann nicht sagen, dass ich darüber sehr böse wäre. Sehen 
Sie indess zu, 0b ich Ihnen in irgend einer anderen Angelegen- 
heit gefällig sein kann, und verfügen Sie über den, mein Herr! 
welcher von ganzem Herzen ist, Ihr Poussin. 
Hilaire Pader, an den der obige Brief gerichtet ist, war ein 
Maler zu Toulouse, Mitglied der Akademie zu Paris, der sich zu 
gleicher Zeit auch als Schriftsteller bekannt gemacht hat. Er 
gehörte, wie Pointel (peintres provinciaux l. 246) sagt, zu jenen 
Geistern, die, um sich vollkommen ihren Zeitgenossen und der 
Nachwelt zu offenbaren, nicht die eine oder die andere der bei- 
den göttlichen Schwesterkünste, Poesie oder Malerei, für genü- 
gend hielten, sondern dieselben gleichzeitig und gemeinschaft- 
lich ausüben mussten. Es giebt deren, welche die Poesie unab- 
hängig von der Malerei pflegten, Andere, welche dieselbe zur 
Erläuterung der Malerei selbst anwendeten. Zu den letzteren 
gehörte Hilaire Pader, der dies in seinem bedeutendsten Werk 
vLa peinture parlanteß gethan hat, welches im Jahre 1657 er- 
schienen ist. lm Jahre darauf erschien vLe songc enigmatique 
sur la peinture universelle, fait par H. P. P. P. (Hilaire Pader, 
peintre et poete)a, in welchem der Verfasser den Maler Chalette, 
ebenfalls von Toulouse, als seinen Lehrer nennt. Von dem erst- 
genanntenWerke, dessen Verdienste nicht sehr gross sein sollen, 
scheint Pader einen Theil im Manuskript an Poussin gesendet zu 
haben, der in der artigsten Weise der Welt die Zusendung der 
anderen Theile des Gedichts von sich abzuweisen sucht, Pader 
hat den Brief in der Ausgabe seines Werkes abdrucken lassen, 
woraus er auch in die Lettres du Poussin aufgenommen wor- 
den ist, p. 358.
	        
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