Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387803
XXX 
Ideen aufgegeben, welche sie sich sonst angestrengt hatte, in 
Gestalt zu bringen; nur die Aeusserlichkeiten der Methode wa- 
ren ihr übrig. In dieser Lage der Dinge, als man sich von dem 
Alterthum bereits entfernt hatte, seine Formen nicht mehr 
nachahmte, seiner Wissenschaft entwachsen war:  als zu- 
gleich die altnationale Poesie und religiöse Vorstellungsweise 
von Literatur und Kunst verschmäht ward;  trat die neue Er- 
hebung der Kirche ein: 
ihrem WVillen oder wider 
sie hemächtigte sich der Geister mit 
denselben; sie brachte auch in allem 
literarischen und künstlerischen Wesen eine durchgreifende 
Veränderung hervora. Ich habe in dem ersten Theile der 
Künstler-Briefe darauf hingewiesen, dass sich diese Verände- 
rung und der dadurch herbeigeführte Bruch mit den Elementen 
der klassischen Weltanschauung, die bis gegen die Mitte des 
sechszehnten Jahrhunderts geherrscht hatte, zunächst an solchen 
bekunden konnte, die ursprünglich dieser Welt- und Kunst- 
anschauung angehörten, und habe als Beispiel hierfür den treff- 
lichen Amrnanati angeführt, den ersten Gönner und Anhänger 
der Jesuiten in Florenz, dem das Bewusstsein dieses Bruches die 
letzten Lebensjahre in so trüber Weise verbitterte. Er ist einer 
von denen, die wider ihren Willen in die neuen Bahnen hinein- 
getrieben wurden. Wunderbar, dass dies gerade unter der Be- 
gierung desjenigen Papstes geschah, der einem ähnlichen 
Schicksal unterlegen ist. Gregor XIII. (1572-1585, die be- 
treffenden Briefe Ammanatfs sind 1852 geschrieben), von Hause 
aus ein heiterer und lebenslustiger Mann, mild und nachsichtig 
in kirchlichen Dingen, ist ebenfalls durch die Jesuiten in die 
strengere Anschauungsweise hineingetrieben; er wurde, wie 
An1manati,'aus seiner früheren Stellung von der kirchlichen 
Strömung hinweggerissen. Nun aber mussten diese neuen An- 
sichten in der Kunst auch von solchen vertreten werden, die 
von Anfang an den Einwirkungen dieses Geistes ausgesetzt wa- 
ren, und als Beispiel dafür habe ich schon früher die Caracci
        

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