Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390816
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der Welt thun würde, und dass ich noch fortwährend in der 
Absicht verharre, lhnen von ganzem Herzen dienstbar zu sein. 
Ich bin kein leicht beweglicher Mensch, noch wechselnd in 
meinen Neigungen; Wenn ich dieselben" auf einen Gegenstand 
gerichtet habe, so ist es für immer! Wenn das Bild des Moses, 
der auf den WVellen des Nil aufgefunden wird, Welches sich 
im Besitz des Herrn Pointel befindet, Sie entzückt hat, ist das 
ein Beweis dafür, dass ich dasselbe mit grösserer Liebe als 
die Ihrigen gemalt habe? Sehen Sie denn nicht ganz gut, dass 
die Natur des Gegenstandes, so wie Ihre eigene Disposition 
diese Wirkung herbeigeführt haben, und dass die Gegenstände, 
welche ich für Sie darstelle, in einer anderen Weise aufgefasst 
werden müssen? Darin gerade besteht die ganze Kunst der 
Malerei. Verzeihen Sie mir die Freiheit, die ich mir nehme, 
indem ich behaupte, dass Sie sich in dem Urtheil über meine 
Werke übereilt gezeigt haben. Richtig zu urtheilen ist eine sehr 
schwierige Sache, wenn man in dieser Kunst nicht eine ausge- 
dehnte Theorie und Praxis mit einander verbindet: nicht unsere 
Neigungen allein haben bei diesem Urtheil mitzuwirken, sondern 
auch die Vernunft. Und deshalb möchte ich lhnen eine wichtige 
Betrachtung vorführen, aus welcher Ihnen klar werden wird, 
was man in der Darstellung der Gegenstände, welche man he- 
handelt, zu beobachten habe. 
Unsere vortrefflichen alten Griechen, die Erfinder und 
Urheber alles Schönen, haben verschiedene Mittel und Weisen 
aufgefunden, vermöge deren sie wunderbare Wirkungen her- 
vorgebracht haben. Das Wort Weise bedeutet hier eigentlich 
den Grund, oder das Maass und die Form, deren wir uns bedie- 
nen, um etwas zu schaffen, und welcher Grund uns zwingt, ge- 
wisse Grenzen nicht zu überschreiten, so wie mit Einsicht und 
Mässigung in jedem unserer Werke die bestimmte Ordnung zu 
beobachten, wodurch ein jedes Ding sich in seiner Wesenheit 
erhält. Da nun die Art und Weise der Alten in der Verbindung 
mehrerer mit einander zusammengestellten Dinge bestand, S0 
ergab sich aus der Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit der so
        

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