Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390781
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Der in den Lettres du Poussin p. 258 mitgetheilte Brief 
gewahrt einen lehrreichen Blick in Poussin's Ansichten über 
seine eigene Kunstweise. Es ist damit eine Aeusserung in dem 
nächsten Briefe vom 3. Juni zu Vergleichen: Er sehe wohl, dass 
Herr V0ll Chantelou an der Taufe nicht das Vergnügen finde, 
wie an den anderen Bildern, obschon er ihm dies zu verbergen 
suche. Er versichere ihn, mit derselben Liebe und demselben 
Fleisse daran gearbeitet zu haben, während derselben Zeit und 
mit demselben Wunsch, etwas Gutes zu leisten. Aber der Erfolg 
unserer Unternehmungen sei nur selten ein gleicher; dem seien 
alle Menschen unterworfen. 
Von einem Freunde Chantelou's, der bald Rom verlassen 
und nach Paris gehen würde, sagt er wörtlich: vEr gehört zu 
jenen Ketzern, die da glauben, dass Ihr Diener Poussin in der 
Malerei einiges nicht ungewöhnliche Talent besitze; auch fürchte 
ich sehr, man werde ihn steinigen, wenn er nicht stillschweigt, 
denn es ist nicht mehr die Zeit, die Blinden sehend zu machen; 
auch Christus wollte man übel deshalbla 
Aus Allem sieht man, dass der Tadel, den das Bild in Paris 
erfahren, Poussin in nicht gewöhnlicher Weise berührt hat. 
Indem er das Bild der Busse absendet, sagt er: wer wisse nicht, 
ob dasselbe genügen würde, die Schuld der früheren Fehlgriffe 
Wieder auszulöschenß Jedenfalls nimmt er sich in der ganzen 
Angelegenheit fein und bescheiden. Lettres du Poussin 261 IT. 
Aehnlich die Aeusserung vom 1. September 164.7. Er könnte 
ihm auf seinen Brief manches Schöne erwidern, wenn er nur 
schön zu schreiben vermochte. S0 hielte er es denn für passen- 
der, sich offenkundigeren Dingen, als Worte es sind, zuzuwenden. 
Er wollte, indem er es künftighin besser machte, versuchen, 
sich selbst von der Furcht zu befreien, man könne schlecht über 
seine Werke urtheilen. So würde er sich und ihm am besten 
genügen. Lettres du Poussin p. 270. 
Was die Aeusserungen am Schlusse unseres Briefes anbe- 
langt, so beziehen sich dieselben auf Chantelouls Bitte, Poussin 
möchte ihm sein Porträt-schicken. Dieser wollte dasselbe von 
einem Andern malen lassen, fand aber keinen, der es ihm zu 
Dank zu machen im Stande War. In einem Briefe vom 16. Au- 
gust 1648 kommt er auf diese Angelegenheit zurück und spricht 
seinen Aerger aus, 10 Pistolen für einen Kopf vde la fagon de 
M. Mignard a (später eines der angesehensten französischen Maler) 
bezahlen zu sollen. Und der mache es noch am Besten, obschon 
seine Porträts kalt und geschminkt, ohne Kraft und Frische seien.
        

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