Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390761
278 
gemacht, und sogar noch einen etwas grösseren, indem Sie mir 
durch dasselbe ohne Verhüllung und trügerische Färbung die 
Meinung zu erkennen geben, die man über mein zuletzt ge- 
sandtes Bild hegt. Ich bin nicht darüber böse, dass man mich 
tadele und kritisire; bin ich doch seit langer Zeit daran gewöhnt, 
indem mich kein Mensch jemals geschont hat! Oft im Gegen- 
theil bin ich die Zielscheibe, nicht blos des Tadels, sondern 
auch der Verleumdung gewesen, was mir in der That zu nicht 
geringem Vortheil gereicht hat; denn indem dadurch verhindert 
wurde, dass mich ein falscher Dünkel verblendete, bin ich ver- 
anlasst worden, vorsichtig in meinen Arbeiten zu Werke zu ge- 
hen  eine Gewohnheit, der ich mein ganzes Leben lang treu 
zu bleiben gedenke. 
Auch werden Diejenigen, die mich tadeln, obschon sie 
mich nicht lehren können, es besser zu machen, wenigstens die 
Veranlassung sein, dass ich dazu die Mittel in mir selbst finde. 
Eine einzige Sache aber werde ich allerdings immer wünschen, 
und diese werde ich nicht allein niemals erreichen, sondern ich 
werde auch nicht einmal wagen, sie zu erkennen zu geben, aus 
Furcht, einer zu grossen Anmaassung gcziehen zu werden.  
Ich will Ihnen daher nur sagen, dass ich, als ich den Gedan- 
ken fasste, das Bild der Taufe, so wie es jetzt ist, zu malen, 
in demselben Augenblicke auch schon das Urtheil voraussah, 
das man darüber fallen würde; und es giebt hier glaubwürdige 
Zeugen, die Sie dessen mündlich versichern könnten. 
Ich zweifele nicht, dass die grosse Masse der Maler be- 
haupten wird, man ändere seinen Styl, wenn man, so wenig es 
auch sei, aus seinem gewohnten Ton herausgeht; denn die arme 
Malerei ist jetzt auf den Kupferstich reducirt, und was die 
Skulptur betrifft, hat Jemand dieselbe, ausser in der Hand der 
Griechen, jemals lebendig gesehen? Ich könnte Ihnen über die- 
Sen Gegenstand sehr wohlbegründete Dinge sagen, die aber doch 
Niemand von den Leuten verstehen würde, welche von dort aus 
meine Werke beurtheilen. Ich bitte Sie nur, die Bilder, die ich 
Ihnen schicken werde, wie Sie es gewohnt sind, mit günstigem
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.