Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390695
Zll 
die doch nur zu einem Durchgange diene und eines Tages wie- 
der in einen eben S0 Schlechten Zustand verfallen könnte, als er 
dieselbe vorgefunden hätte. vDenddie Anhtlosigkeit und der 
Mangel an Liebe für das Schöne bei unseren Landsleuten sind 
so gross, dass man, kaum dass derartige Werke vollendet sind, 
auch schon keinen Werth mehr darauf legt und sogar im Gegen- 
theil oftVergnügen daran findet, sie zu zerstörem. So glaube er 
dem Könige einen sehr guten Dienst geleistet zu haben, indem 
er ein Werk von reinerem Geschmack und grösserer Anmuth 
und Mannigfaltigkeit, und zwar in kürzerer Zeit und mit viel 
geringeren Kosten herstellte, als das, welches man begonnen 
hatte, geworden wäre. Wollte man indess auf die verschiedenen 
Ansichten und neuen Vorschläge hören, welche seine Feinde 
alle Tage machen könnten, und würden diese günstiger aufge- 
nommen, als was er sich herzustellen bcstrebte, trotz der guten 
Gründe, die er dafür anzuführen habe, so könne er sich dem 
nicht widersetzen. Im Gegentheil würde er seine Stelle gern 
Andern abtreten, die man für fähiger dazu erachtete. NVenig- 
stens würde er dann die Freude haben, die Veranlassung gewe- 
sen zu sein, dass man in Frankreich geschickte Leute entdeckt 
habe, die man zuvor dort nicht gekannt habe und die im Stande 
seien, Paris mit vortrefflichen und für die Nation ruhmvollen 
Werken zu verherrlichen. 
In Bezug auf sein Bild für das Noviziat der Jesuiten sagt 
er: Diejenigen, welche da behaupten, dass sein Christus mehr 
einem donnernden Jupiter als einem Gott der Barmherzigkeit 
ähnlich sehe, möchten nur überzeugt sein, dass es ihm niemals 
an Geschick fehlen werde, seinen Figuren einen ihrer Bedeu- 
tung entsprechenden Ausdruck zu geben, dass er sich aber nie- 
mals einen Christus, in welcher Handlung es auch sei, mit einem 
Mucker-Gesichtl) oder dem eines wPater Douilletc vorstellen 
könne und möge; zumal da es, so lange Christus auf Erden un- 
ter den Menschen weilte, schwer gewesen sei, ihm ins Angesicht 
zu blicken. 
Schliesslich bittet er um Entschuldigung wegen seiner Art 
sich auszudrücken; er habe bisher mit Personen gelebt, die ihn 
aus seinen Werken zu verstehen wussten; gut zu schreiben sei 
nicht sein Geschäft. Er fühle sehr wohl, was er zu leisten ver- 
möge, ohne sich darin zu überschätzen oder um Gunst zu buh- 
len, sondern um stets Zeugniss von der Wahrheit abzulegen, 
Tortieolis, 
Kopfhänger.
        

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