Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390686
ZlU 
noch irgend einen Zusammenhang. Die Grösse der Felder hatte 
kein Verhältniss mit deren Abständen, und dieselben konnten 
nicht bequem betrachtet Werden, weil sie mitten in derWölbung 
und gerade über dem Kopfe der Beschguer angebracht waren, 
die sich, so zu sagen, bei deren Betrachtung hätten blind sehen 
müssen. Die ganze Eintheilung war mangelhaft, indem sich der 
Architekt nach gewissen Konsolen gerichtet hat, Welche längs 
des Karniesses angebracht sind und welche nicht in gleicher 
Zahl auf beiden Seiten vorhanden sind, indem sich vier auf der 
einen und fünf auf der entgegengesetzten Seite befinden. Man 
hätte also das ganze Werk von Neuem beginnen oder unerträg- 
liche Fehler darin bestehen lassen müssenu. 
wDenn es giebt zwei Arten, die Gegenstände zu betrachten; 
entweder man sieht sie einfach an, oder man betrachtet sie mit 
Aufmerksamkeit. Einfach sehen heisst nichts Anderes, als auf 
natürliche Weise Form und Bild des gesehenen Gegenstandes 
im Auge zu empfangen. Einen Gegenstand aber betrachtend 
sehen, heisst, ausser der einfachen und natürlichen Abspiegelung 
desselben im Auge, auch mit besonderer Sorgfalt die Mittel auf- 
suchen, um denselben Gegenstand richtig zu erkennen. So kann 
man also sagen, dass der einfache Anblick eine natürliche Ope- 
ration und dass dasjenige, was ich vProspekti- nenne, eine Thä- 
tigkeit der Vernunft ist, welche von drei Dingen abhängt, näm- 
lich vom Auge, von der Gesichtslinie und von der Entfernung 
des Gegenstandes vom Auge. Von dieser Kenntniss wäre es 
sehr zu wünschen, dass diejenigen wohl unterrichtet wären, 
welche sich damit befassen, in solchen Dingen ihr Urtheil ab- 
zugehem. 
Darauf folgt eine spezielle Rechtfertigung der von ihm 
vorgenommenen Veränderungen. Nur Einiges von allgemei- 
nerem Interesse soll hier hervorgehoben werden. S0 erwidert er 
auf den Einwurf, die Decke der Gallerie sei nicht reich genug: 
Man habe ihm niemals aufgetragen, das reichste Werk her- 
zustellen, das er zu ersinnen vermochte, und wenn man ihn 
wirklich dazu hätte bestimmen wollen, so würde er offen seine 
Meinung geäussert und seinen Rath dahin gegeben haben, ein 
so grosses und schwer auszuführendes Werk nicht zu unterneh- 
men: erstens wegen des Mangels von Arbeitern in Paris, welche 
im Stande wären daran zu arbeiten; sodann wegen der allzu- 
langen Zeit, welche darauf hatte verwendet werden müssen; und 
drittens endlich wegen der übermässigen Kosten, die es ihm 
Unrecht schiene, auf eine so ausgedehnte Gallerie zu verwenden,
        

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