Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390664
Zöö 
Freunde, gesprochen, der bereit ist, den Befehlen des Königs 
und Monseigneurs in Allem nachzukommen, was fortan in der 
Gallerie gethan werden muss. Während er noch mit einigen 
seiner eigenen Privat-Angelegenheiten beschäftigt ist, werde ich 
die besagte Arbeit bis zu der Zeit fortführen, wo dieselbe so weit 
gediehen sein wird, dass bloss noch die Anordnung und die De- 
tails darin wiederholt zu werden brauchen. Ich küsse Ihnen mit 
grosser Liebe die Hand, und werde auf ewig Ihr sehr gehorsa- 
mer Diener bleibenw 
Was ferner den an De Noyers selbst gerichteten Brief an- 
betrifft, so thut Felibien in seinen Entretiens sur les vies et les 
ouvrages des peintres desselben Erwähnung, nachdem er zuvor 
die Widerwärtigkeiten erzählt hat, mit denen Poussin zu käm- 
pfen hatte (IV. p. 28  Wir lassen hier die bedeutendsten der 
auch in den Lettres du Poussin pag. 88 ff. mitgetheilten Frag- 
mente folgen. 
Er hätte gewünscht, so beginnt Poussin seinen Brief, 
gleichwie dies früher ein Weltweiser gethan, dass man das, was 
im Innern des Menschen gedacht werde, zu sehen im Stande 
wäre. Denn man würde darin nicht nur das Laster und die 
Tugend entdecken, sondern auch die Wissenschaften und die 
guten Lehren, und dies würde für gelehrte Personen von gros- 
sem Vortheil sein, indem man die Verdienste derselben besser 
zu erkennen im Stande sein würde. Da es sich nun aber in der 
Wirklichkeit anders verhalte, so sei es ebenso schwer, von den 
Fähigkeiten der Menschen in Wissenschaft und Kunst, als von 
deren guten oder bösen Neigungen in Bezug auf die Sitten ein 
richtiges Urtheil zu fällen. 
Alles Studium und alle Anstrengungen der gelehrten Leute 
können die übrigen Menschen nicht dazu verbinden, einen voll- 
ständigen Glauben zu dem zu haben, was jene sagen. Dies sei 
zu allen Zeiten in Betreff der Maler zur Genüge anerkannt wor- 
den, sowohl der der früheren, als auch der neueren Zeiten, wie 
z. B. von einem Annibale Caracci und Domenichino, die weder 
der Kunst noch des Wissens ermangelten, um danach ihr Ver- 
dienst richtig beurtheilen zu können, und trotzdem sei das- 
selbe nicht erkannt worden, theils in Folge ihres bösen ungün- 
stigen Geschickes, als auch wegen der Umtriebe ihrer Neider, 
die sich während ihres ganzen Lebens einer durchaus unver- 
dienten Achtung und Ehre erfreuten. Er  Poussin  könne 
sich in Bezug auf ihr Unglück mit den Caracci und Domenichino 
gleichstellen.
        

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