Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390567
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wollen umarmte und indem er mich bei der Hand fasste, mir 
seine grosse Freude bezeugte, mich zu sehen. Wieder nach drei 
Tagen führte man mich nach S. Germain, wo mich der Herr 
De Noyers dem Könige vorstellen wollte; da ersterer indess 
nicht wohl war, so wurde ich am folgenden Morgen durch den 
Herrn Le Grand, den Günstling des Königs, eingeführt. Der 
König hatte als wohlwollender und liebenswürdiger Fürst, wie 
er ist, die Gnade, mir viele Artigkeiten zu erweisen, und mich 
während einer halben Stunde nach mancherlei Dingen zu fragen. 
Dann wendete er sich zu seinen Höflingen und sagte: da haben 
wir den Vouet schön gefangen 1)! Darauf gab er mir selbst den 
Auftrag, die grossen Bilder für seine Kapellen zu Fontainebleau 
und zu Saint Germain zu malen. Als ich nun nach Hause zu- 
rückkehrte, wurden mir in einer schönen Börse von blauem 
Sammet zweitausend Thaler in Gold von der neuesten Prägung 
gebracht, tausend als mein Gehalt und tausend für die Reise, 
ausser allen Auslagen. Allerdings ist einem das Geld hier auch 
sehr nothwendig, indem hier Alles über die Maassen theuer ist. 
Gegenwärtig nun bilde ich mir die Ideen zu vielen Werken, die 
ich ausführen will, und glaube, dass zuerst die Hand an eine 
Arbeit für Tapeten gelegt werden wird. Von den ersten Sachen, 
die ich zu Tage fördern werde, werde ich mir die Freiheit neh- 
men, Ihnen einiges zu schicken, als einen Tribut der Dienst- 
barkeit, zu der ich Ihnen verpflichtet bin; und sobald unser 
Gepäck angekommen sein wird, so hoffe ich, meine Zeit so ein- 
theilen zu können, dass ich einen Theil derselben im Dienste 
Ihres Herrn Bruders, des Ritters, werde verwenden können. 
Von den Verzeichnissen der Werke des Pirro Ligorio sind 
Abschriften nach Piemont gesandt worden. Ich empfehle Ihnen 
meine geringen Interessen und mein Haus, da Sie so gut gewe- 
sen sind, sich der Mühe zu unterziehen, während meiner Ab- 
l) Voilä V0uet.bien attrapö! Vouet war, wie Fälibien ausdrücklich 
meldet, dem Poussm feindselig gestimmt, und hatte sich wahrggheinüch 
seiner Berufung widersetzt.
        

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