Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390497
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ohne sie zu beeinträchtigen. Wenn Sie sich übrigens meines 
ersten Briefes erinnern, den ich in Betreff der Bewegungen der 
Figuren schrieb, welche ich auf dem Bilde anbringen wollte, und 
wenn Sie dann zu gleicher Zeit dasselbe betrachten wollten, so 
glaube ich, würden Sie leicht diejenigen darunter erkennen, 
welche von der Ermattung oder von Bewunderung ergriffen 
sind, so wie diejenigen, welche Mitleid haben, oder welche in 
einer Handlung der Mildthätigkeit, grosser Noth oder Begierde 
begriffen sind, oder solche, die sich trösten und erquicken und 
andere: denn die ersten sieben Figuren zur Linken werden Ih- 
nen Alles das aussprechen, was ich hier geschrieben habe und 
alles Uebrige ist ähnlichen Inhalts; lesen Sie zugleich mit dem 
Bilde die Geschichte, um zu erkennen, 0b alles Einzelne dem 
Gegenstand angemessen ist. 
Und wenn Sie nach wiederholter Betrachtung einiges Ge- 
fallen daran gefunden haben, so theilen Sie es mir mit, ohne 
irgend etwas zu verhehlen, damit ich mich freuen kann, Ihnen 
beim ersten Male, dass ich Ihnen diene, genug gethan zu haben; 
wo nicht, so verpflichten wir uns zu jeder Art Busse, indem wir 
Sie dringend ersuchen, es noch in Betracht ziehen zu wollen, 
dass der Geist willig, das Fleisch aber schwach ist". 
In einer Nachschrift bemerkt Poussin, dass er an Herrn 
Stella, seinen Freund, den bekannten Maler in Lyon (s. Nr. 63) 
schreiben werde, um ihm die Weiterbeförderung des Bildes auf- 
zutragen. Dies hat er gethan und in dem betreffenden Briefe 
spricht er sich in ähnlicher Weise über den Gedanken seiner 
Komposition aus, wie in dem an Herrn von Chantelou. Er habe, 
sagt er darin, gesucht, die verschiedenen Empfindungen und 
Leidenschaften zu schildern, die sich in dem jüdischen Volke bei 
dieser Gelegenheit kundgegeben und zwar je nach dem Alter und 
Geschlecht der dargestellten Personen in verschiedener Weise. 
Alles Dinge, von denen er hoffe, dass sie denjenigen nicht miss- 
fallen würden, die sie gut zu lesen verstanden. Und er durfte 
dies in der That von jenem Werke sagen, das als eine seiner 
vollendetsten Kompositionen betrachtet wird. Lebrun hat das- 
selbe in einer Sitzung der französischen Akademie der Malerei 
am 5. November 1667 zum Gegenstande seines Vortrages ge- 
wählt und darin eine sehr ausführliche Beschreibung und 
Analyse des Bildes gegeben, welches er sodann gegen die Ein- 
Wendungen einiger Mitglieder vertheidigte. Die Akademiker 
stimmten ihm darauf einstimmig zu. Felibien ConfereneeS
        

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