Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390460
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als durch geistige Förderung zu einer Freundschaft verpflich- 
tete, welche diese beiden bedeutenden Männer auf länger als 
vierzig Jahre vereint hat. Der obige von Bottari Bacc. I. 372 
in italißlliSßher Sprache und von Quatremere de Quincy 
(Collection de lettres de N. Poussin, Paris 1824) in französischer 
Uebersetzung mitgetheilte Brief zeigt uns den Künstler in be- 
drängter Lage sich an seinen schon oft bewährten Gönner wen- 
dend; derselbe trägt kein Datum, ist aber wahrscheinlich um das 
Jahr 1630 geschrieben (zwischen 1630 und 1638 nach Quatremere 
de Quincy), zu einer Zeit, in der Poussin noch beschäftigt war, 
mehrere Zeichnungen für die Sammlung antiker Denkmäler anzu- 
fertigen, die von Cassiano delP0zz0 angelegt und bis auf 23 Folio- 
Bände gebracht wurde. Nach Bottari hat der Künstler ein Ge- 
schenk von vierzig Scudi als Antwort auf seinen Brief erhalten. 
N ICOLAS Ponssm 
an 
Herrn m; CHANTELOU. 
Rom, 
I5. Januar 1638. 
Mein Herr! Wollte Gott, dass ich keine so gerechten Ent- 
schuldigungsgründe gegen Sie auszusprechen hätte, als dies in 
der That der Fall ist. Kurze Zeit nämlich, nachdem ich mich 
zur Vollendung Ihres Bildes entschlossen, ja nachdem ich schon 
einige Figuren darauf gemalt hatte, hat mich ein Blasen-Hebel, 
dem ich schon seit vier Jahren ausgesetzt bin, in einer solchen 
Weise ergriffen, dass ich mich von da an bis auf den heutigen 
Tag in den Händen der Aerzte und Chirurgen befunden und die 
Qualen eines Verdammten ausgestanden habe: jetzt, Gott sei 
Dank, befinde ich mich besser und hoffe, meine alte Gesundheit 
wieder zu erlangen. Trotzdem aber muss ich sagen, dass ich 
mehr als von allem Andern von dem Schmerz gelitten habe, in 
meinem guten Vorsatz, Ihr Bild zu vollenden, verhindert zu 
werden: immer habe ich an das Versprechen gedacht, das ich 
Ihnen gegeben und hätte darüber verzweifeln mögen, es nicht 
ausführen zu können. Nun aber fühle ich den WVunsch, Ihnen 
zu dienen, grösser in mir werden, als jemals.
        

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