Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387762
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stolz, schroff und zurückhaltend sind, und mit denselben nie 
recht gut zusammen aushalten können. Michel Angele da Cara- 
vaggio aber brachte der neuen Schule der Caracci einige Förde- 
rung, denn nachdem er einmal so kühn mit seiner kräftigen 
Manier hervorgetreten war, half er dazu, dass der gute Ge- 
schmack zu Athem kam, und die Natürlichkeit, die damals 
aus der Welt verbannt war, indem man sich in einer bloss idea- 
len und phantastischen Malerweise verloren hatte, die ebenso 
von aller Natur als von der Wahrheit entfernt war, deren ge- 
treue Nachahmerin die Malerei sein soll. Allerdings hat er sei- 
nen neuen Styl nicht mit jenen Reizen verschönert, wodurch ihn 
die Caraccesken zur höchsten Vollendung gebracht haben, indem 
sie ihn mit Anmuth und Schönheit erfüllten, in der Komposition 
bereicherten, in allen Nebendingen verzierten, und in der gan- 
zen Haltung bescheidener und maassvoller gestalteten. Dennoch 
aber eröffnete er einen Weg, auf welchem man wieder zum An- 
blick der Wahrheit gelangen konnte, welche so zu sagen seit 
langen Jahren verloren gegangen warm 
Was so in seinen ersten Gründen ganz gerechtfertigt war, 
drohte indess, wie gesagt, in seiner Folge der ganzen Kunst 
verderblich zu Werden. Den Tadel einiger Akademiker über die 
zu grosse Natürlichkeit Caravaggids wird man an verschiedenen 
Stellen der nachfolgenden Briefe und Erläuterungen hervorge- 
hoben finden; Albani datirt den Verfall der Kunst geradezu von 
Caravaggio, und ein anderer Zeitgenosse drückt dieselbe Ansicht 
in folgenden Worten aus: "Jetzt machen sicha, sagt derselbe, 
weine Menge junger Leute nach Caravaggids Beispiele daran, 
einen Kopf nach der Natur zu kopiren; sie kümmern sich weder 
darum, die Zeichnung gründlich zu studiren, noch um die Tiefe 
und Bedeutsamkeit in der Kunst überhaupt, sondern begnügen 
sich mit dem blossen Kolorit. Daher wissen sie denn allerdings 
nicht einmal, zwei Figuren gehörig zusammenzustellen, noch 
irgend einen Vorgang zu komponiren, indem sie von der Vor-
        

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