Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390439
bunden werden. Aus allen diesen Dingen sieht man deutlich, 
dass die Schönheit mit der Materie des Körpers nicht verbun- 
den ist, und dass sich dieselbe in ihm nur offenbart, wenn er 
durch diese durchaus unkörperlichen Vorbereitungen dazu ge- 
eignet geworden ist. Und daraus ergiebt sich "nun der Schluss, 
dass die Malerei, obschon sie Körper darstellt, nichts Anderes 
ist, als ein InbegrilT von unkörperlichen Dingen, indem sie allein 
das Maass und die Ordnung an den Körperformen zur Erschei- 
nung bringt. Zugleich aber ist dieselbe von allen anderen Ideen 
am Meisten auf die der Schönheit gerichtet. Daher haben denn 
auch Einige gewollt, dass diese ldee des Schönen allein das 
Merkmal und das Ziel aller guten Maler sein solle. Die Malerei 
selbst aber hat mit Inbrunst nach der Schönheit zu streben wie 
ein Liebender nach dem geliebten Gegenstande. Dadurch wird 
sie zur Königin unter den Künsteim 
Es spricht sich in diesen Bemerkungen ein gewisser re- 
ilektirender Idealismus aus, den auch die Werke Poussinis 
durchweg bestätigen. Man mag beide kühl und vielleicht nüch- 
tern finden, wenn man damit die mächtige Leidenschaft und 
die reiche Lebensfülle vergleicht, die Rubens, und die tiefe 
Empfindung und koncentrirte Innerlichkeit, welche Rembrandt 
in ihren Werken ausgesprochen haben - der Gegensatz und 
Kampf der Poussinisten und Rubenisten hat sich durch das 
ganze siebzehnte Jahrhundert hindurchgezogen 1);  aber man 
Wird sich der Anerkennung nicht entziehen dürfen, dass die- 
ser Idealismus der mit erneuerter Gewalt hereinbrechenrlen 
Aeusserlichkeit des Kunstlebens gegenüber eine grosse Be- 
rechtigung für sich hatte. Auch ist wohl zu beachten, wie tiefe 
Wurzeln diese Anschauung in Poussinis Gemüth geschlagen, 
und wie sie denselben befähigte, unter den Leiden des Alters 
und der Krankheit in rastloser und immer gleichmassiger Tha- 
tigkeit bis zum Tode auszuharren. In diesem Kampfe des klaren, 
seiner selbst sich wohl bewussten Geistes gegen die Hiniallig- 
keit des Leibes und die Schmerzen der Seele hat Poussin eine 
Energie und stille Fassung ollenbart, von denen die letzten der 
unten mitgetheilten Briefe vielfach Zeugniss geben, und denen 
Niemand seine Anerkennung und Bewunderung wird versa- 
gen können. 
1) Der Kampf zwischen den Poussinisten und Rubenisten bildet 
Gegenstand emes französischen Gedichtes „Le banquet des peintreS", 
den
        

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