Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390425
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halten, um dem Dekorum der Handlung nicht zu widersprechen, 
und es darf der Maler die edlen und grossen Dinge nicht mit 
hastigem Pinsel übergehen, um sich in der Behandlung der nie- 
deren und gewöhnlichen Dinge zu verlieren. Daher bedarf der 
1513161" nicht blos des Geschickes, sich einen Gegenstand zu er- 
finden, sondern auch des Urtheils, um denselben zu ergründen, 
und er wird sich stets einen solchen erwahlen müssen, der von 
Natur jeglicher Verzierung und Vollendung fähig ist; die da aber 
niedrige Gegenstände behandeln, nehmen zu diesen nur Wegen 
der Schwache ihres Geistes ihre Zullucht. Die Gemeinheit der 
Gegenstände ist daher vor Allem zu verachten, sowie die Nie- 
drigkeit solcher Vorwürfe, die keiner künstlerischen und ver- 
schönernden Darstellung fähig sind. Was dagegen die Idee (das 
Motiv, concetto, vergl. oben S. 96) anbelangt, so ist dieselbe ein 
reines Erzeugniss des Geistes, der die Dinge zu durchdringen 
strebt, wie z. B. der Gedanke Homers und Phidias" im olympi- 
schen Zeus, der mit dem Winke seiner Augen das Weltall er- 
schüttert; nach dieser Idee der Dinge aber muss auch die 
Zeichnung derselben geregelt sein. Der Bau, die Anordnung 
oder die Komposition der Theile darf nicht gesucht und durch 
das Studium herbeigeführt erscheinen, und weder Absichtlich- 
keit noch Mühe zeigen, sondern ganz der Natur entsprechen. 
Was schliesslich den Styl betrifft, so ist dies eine besondere 
Manier und Art zu zeichnen und zu malen, die aus dem beson- 
deren Genius eines Jeden in der Anwendung und dem Gebrauch 
der Ideen hervorgeht; welcher Styl, den man auch Manier oder 
Geschmack nennen kann, ebensowohl eine Sache der Natur als 
des Geistes istw 
vDie Idee der Schönheit kann nicht in die Materie (den 
Körper) übergehen, wenn diese nicht zuvor so viel als möglich 
zu deren Aufnahme vorbereitet ist; diese Vorbereitung aber be- 
steht aus drei Dingen, der Ordnung, dem Maass und endlich der 
Form oder der Erscheinung. Die Ordnung bedeutet die Anein- 
anderreihung und die Intervalle der einzelnen Theile; das Maass 
bezieht sich auf die Quantität; die Form zeigt sich in den Linien 
und Farben. Die Ordnung und die Intervalle der Theile genü- 
gen nicht allein, noch dass die Glieder des Körpers ihre natür- 
liche Lage haben, wenn. nicht das Maass hinzukommt, wonach 
jedem Gliede die gehörige Grösse und das richtige Vefhältnisg 
zum Körper gegeben wird, und wenn nicht ebenso auch die 
Form dazu mitwlrkt, damit die Linien gefällig gezogen seien, 
und die Lichter in anmuthiger Harmonie mit den Schatten ver-
        

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