Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390398
bezeichnen gesucht (S. 136). Hier nur noch die Bemerkung, 
dass kaum irgend ein Künstler jener Zeit sich mit so klarem 
Bewusstsein über sein eigenes künstlerisches Wesen aus-- 
gesprochen hat, als Poussin. Es entspricht dies vollkommen 
dem hesonnenen und ruhigen Verfahren bei seiner Arbeit, das 
uns von mehreren seiner Zeitgenossen, namentlich Passeri und 
Bellori, geschildert wird. Zunächst vertiefte er sich in die Idee 
seines Gegenstandes, die er sich, wenn sie dem Alterthum ent- 
lehnt war, durch genaues Studium der betreffenden Schrift- 
steller nach allen Seiten hin klar zu machen suchte. Dann ent- 
warf er wohl erst ein paar flüchtige Skizzen, bis er sich an die 
Ausführung selbst machte. Zu dieser bereitete er sich dadurch 
vor, dass er auf einem quadrirten Brette, welches den Fussboden 
vorstellte, kleine Modellfiguren in einer der Handlung entspre- 
chenden Weise gruppirte, wie denn auch in dieser Beziehung 
seine Werke durchweg wohl berechnet und von der grössten 
Richtigkeit sind. Die letzte Ausführung geschah stets mit Ruhe 
und Ueberlegung, und um sich aus dieser nicht herausreissen 
zu lassen  er hatte die Nachtheile gehäufter Arbeiten in Paris 
kennen gelernt  nahm er in späterer Zeit nur wenig Aufträge 
und auch dann nur von solchen Personen an, die ihm durch 
Freunde besonders empfohlen wurden. ln seinen Forderungen 
war er mässig; von dem auf der Rückseite des Bildes notirten 
Preise aber ging er, bei Fremden wenigstens, nicht ab. Eben so 
besteht er, wenn er sich beeinträchtigt glaubt, fest auf seinem 
Rechte; so beklagt er sich z. B. fast zu heftig, dass das ihm ver- 
liehene Haus in Paris einem Andern eingeräumt werde, obschon 
er nicht daran dachte, wieder nach Paris zurückzukehren (Er- 
läuterungen zu Nr.  Auch vermerkt er es sehr übel, dass 
ihm sein Gehalt als Hofmaler nicht mehr in Rom ausgezahlt 
werde und setzte es durch die Bemühungen seiner Freunde 
auch durch, dass ihm im Jahre 1655 die Nachzahlung der rosti- 
renden Summe zugesagt wurde. S0 konnte er sein Leben ganz 
nach seinen stillen Neigungen geniessen und wurde in der 
That auch schon von den Zeitgenossen glücklich gepriesen, bis 
in den späteren Jahren seines Lebens Krankheit und der Tod 
seiner Ehefrau dies ruhige Glück gefährdeten. Wie er in seiner 
Kunst besonnen und maassvoll war, so war er auch in seinen 
Ansichten über Religion, Staat und Gesellschaft allen Extre- 
men abgeneigt. Freund einer ehrenvollen Unabhängigkeit, V91?" 
kennt er doch nicht die Vortheile, die der Schutz einflussrei- 
eher Personen zu gewähren im Stande ist; Herrn von Ühanfelßll 
Künstler-Briefe. II. 15
        

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