Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390354
sich noch heut durch eine überwiegende Schärfe des Verstandes 
auszeichnen. Er hat diesen Charakter seiner Kompatrioten in 
der Kunst redlich vertreten und ist, selbst mitten in dem Leben 
Ronfs, dem heimischen Sinne stets treu geblieben. Ursprünglich 
zu den Wissenschaften bestimmt, zog er es bald vor seine Bü- 
cher mit Bildern, statt mit schriftlichen Arbeiten auszufüllen. 
Der Vater, um sich keine unnütze Kosten für die gelehrte Er- 
ziehung des Sohnes zu machen, gab ihn zu Quintin Varin in die 
Schule, einem Maler, den wir schon früher kennen gelernt haben 
und der sich zum Glücke Poussin's auf einer seiner Reisen in 
Andelys befand. Poussin verdankte dem Lehrer sehr viel; 
Frankreich verdankt ihm, wie Pointel sagt, Poussin. Nachdem 
er so den ersten Grund zur Kunst gelegt, trieb ihn ein unwider- 
stehlicher Drang nach Wissen und Erweiterung seiner Erfah- 
rung in die Welt. Ohne Vorwissen der Eltern verlicss er die 
Heimath und zog gen Paris. In dem grossartigen Treiben dieser 
Stadt waren es namentlich zwei Persönlichkeiten, die einen 
entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung seines Charakters 
und seines Schicksals gewannen; Courtois und Marini. Courtois 
war einer der angesehensten Mathematiker seiner Zeit. Er stand 
in Königlichen Diensten und hatte seine Wohnung im Louvre. 
Seine Bekanntschaft war für Poussin um so wichtiger, als er ein 
grosser Kunstfreund war und sich im Besitz einer bedeutenden 
Sammlung von Kupferstichen befand. So war ausser dem Ein- 
fluss, den dasWesen eines solchen Mannes und die Berufswissen- 
schaftdesselben aufdenjungen Künstler ausüben musste- Poussin 
hat sich auch später noch immer mit Vorliebe mit Perspektive 
und Optik beschäftigt, die auf mathematischen Gesetzen be- 
ruhen  demselben zu gleicher Zeit reicher Anlass zu künst- 
lerischen Studien geboten. Hier lernte Poussin den Rafael ken- 
nen, der sein zweiter Lehrer wurde, wie später die Antike seine 
dritte Schule. Nicht minder wichtig und folgenreich wurde für 
Poussin die Bekanntschaft mit Giovanni Batista Marini, den wir 
schon früher als den Freund vieler Künstler kennen gelernt haben 
und der sich zu derselben Zeit in Paris aufhielt. Marini ist ein 
Dichter, in dessen Werken mehr Reflexion und Absichtlichkeit 
vorherrschen, als tiefes Gefühl und Empfindung. Namentlich 
zeigt sein grosses Gedicht ßAdonisa jene Eigenschaften und 8e- 
rade dieses war es, zu dessen einzelnen Scenen Poussin ihm 
Zeichnungen zu entwerfen hatte. Marini gab in seiner Weise 
die Motive der Bilder genau an  kein Wunder, dass der Junge 
Künstler in jene sinnende, überlegende, vspekulirender- Richtung
        

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