Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390208
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mit seinen eigenen Badirungen 1) mit zu seinem Ruin beige- 
tragen haben mögen, nach dem Verkaufe der Sammlung und des 
Hauses  er wohnte einige Wochen in einem Wirthshause  
scheint es Rembrandt nie wieder gut ergangen zu sein. Wun- 
derbar ist es, welche Frische und Rüstigkeit er sich in sei- 
ner künstlerischen Produktion unter dem Drucke solcher Ver- 
hältnisse zu erhalten im Stande war. Wie diese aber ihn inner- 
lich darniedergedrückt und auch ausserlich verändert haben, 
ersieht man aus seinem Porträt im Louvre vom Jahre 1660, wel- 
ches einen tief ergreifenden Kontrast zu den drei Porträts aus 
glücklicher Jugendzeit bildet. Diese drei Bilder aus den Jahren 
1633, 1634. (aus derselben Zeit ist auch das schöne Porträt 
Rembrandts auf dem Berliner Museum Nr. 297) und 1637 zei- 
gen uns eine merkwürdige Stufenfolge psychologischer Stim- 
mungen, auf die ich hier nicht näher eingehen kann. Gemein- 
sam ist allen der Ausdruck kühner Kraft und vollen Glückes. 
Namentlich in dem Bilde von 1634 (dem Jahr der Verheirathung) 
liegt ein freier, sicherer, fast übermüthiger Sinn ausgesprochen, 
der aber wohlthuend wirkt, weil er mit Ernst und Entschlossen- 
heit gepaart ist. In dem Bilde vom Jahre 1637 ist weder Auf- 
regung, noch heftige Anspannung zu finden. Hier herrscht die 
innere Ruhe und Sammlung des Mannes vor. Es scheint sich 
die schöne Zeit des Vollbesitzes von Genie, Glück und Liebe in 
den Zügen dieses Antlitzes zu spiegeln.  Und nun das Bild 
vom Jahre 1660 2)l Hier sehen wir den von den Leiden des 
Lebens gebeugten und vor der Zeit (hatte er doch erst sein vier- 
undfüufzigstes Lebensjahr erreicht!) gealterten Künstlers. Es ist 
noch der alte Kopf, aber wie verändert! Der schöne wallende 
Haarschmuck und das prächtige Barret sind verschwunden, statt 
dessen kommen wenige graue Haare unter einem Tuch hervor, 
das um den Kopf gewunden ist. Der Mund hat noch etwas von 
dem alten Geist  in ihm glaubt man noch den Kenner und 
Beobachter des menschlichen Herzens zu erkennen. Die Augen 
aber, die sonst so kühn blickten, sind jetzt müde und zur Hälfte 
von den matt heruntergesunkenen Lidern bedeckt; auf der Stirne 
haben Kummer und Sorge ihre traurigen Schriftzüge eingegra- 
ben. Es liegt etwas Tragisches in diesemWechsel, den man wohl 
1) Die Vorwürfe, die man Rembranfit wegen unrechtmässiger Ausbeu- 
tung Seiner Badlrnngen gemacht hat, wlderlegt Kolloff a, a. Q, S. 577. 
2) Ueber ein anderes Porträt Rernbranrlvs aus dgssen höheren Lebens- 
jahren vergL Waagen: Art and artlsts of Great-Brllain lI. 151.
        

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