Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390158
äll 
heit menschlicher Empfindung vorherrschen. Rubens ist selbst 
in Darstellung abstrakter und idealer Gegenstände derb, kräftig, 
voller Realität. Rembrandt ist SclbSt ill Darstellungen enger prO- 
saischer Verhältnisse und gewöhnlicher, oft sogar hässlicher 
Menschen, von tiefer innerlicher Bedeutsamkeit und voller Idea- 
lität. Rubens zeigt die Poesie der Objektivität, Rembrandt die 
der in sich verschlossenen und koncentrirten Subjektivität, Ru- 
bens' Werke sind in den leuchtenden Glanz des Tages getaucht, 
in Rembrandts Bildern waltet der stille, aber nicht minder 
mächtige Zauber der Dämmerung. Wunderbar wie auch hierin 
seine Kunstweise mit der des Correggio verwandt ist, der unter 
den Italienern als der grösste Meister des Helldunkels betrachtet 
werden kann. 
Ein ähnlicher Gegensatz hat auch in den Lebensgeschicken 
unserer beiden Künstler bestanden. Ueber das Leben Rem- 
brandt's ist eben so viel gefabelt worden, als über seinen Cha- 
rakter, an dem bis auf die neuere Zeit mancherlei Schwächen, 
ja selbst Makel haften geblieben sind. Was die neuere For- 
schung über Rembrandt Sicheres ergeben, hat am besten 
Kollolf zusammengefasst in seinem Aufsatz in von Raumer's 
historischem Taschenbuch vom Jahre 18541). Dieser ent- 
hält eine Schilderung von Rembrandts Leben, Charakter und 
Kunstweise, auf die ich hier lediglich zu verweisen habe. Man 
wird daraus das wohlthuende Bild eines stillen, in der Begrän- 
zung sich heimisch und in der Ausübung seiner Kunst allein 
sich glücklich fühlenden Menschen gewinnen. Ohne in wissen- 
schaftlicher und literarischer Beziehung eine so hervorragende 
Stellung einzunehmen, wie Rubens, stand Rembrandt doch 
nicht ausser Verkehr mit solchen Männern, die als Träger 
der nationalen Bildung zu betrachten sind, und welche diese 
Bildung in ihren Resultaten auch auf den Künstler übertra- 
gen haben. Es ist schlechthin Fabel, dass Rembrandt nur 
mit Leuten niedrigen und gemeinen Schlages umgegangen sei. 
In den Zeiten des Glückes 2) stand er in freundschaftlichen 
1) Eduard Kolloff, Rembrandts Leben und Werke, nach neuen 
Aktenstücken und Gesichtspunkten geschildert. 
2) Als später das Unglück über ihn hereinbraeh, mag allerdings jener 
Verkehr aufgehört haben, oder doch weniger lebhaft geworden sein, und 
daraus ist die Entstehung der oben angedeuteten Fabel wohl zu erklären- 
Ob der Wankelmuth der früheren Freunde, oder eine leicht verständliche 
Scheu des Künstlers dessen spätere Vereinsamung verschuldet, wer vermag 
das Jetzt zu entscheiden? 
        

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