Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387721
XXII 
nicht, um etwas Neues, innerlich Begründetes, an die Stelle der 
alten Kunstweise zu setzen. Es ist sehr bezeichnend, welcher 
Art die Bilder waren, mit denen er sich in jene Konkurrenz 
einliess. Vor Allem wird ein Gemälde erwähnt, auf dem er 
mehrere musicirende Personen darstellte. Auf einem Tische stand 
eine Karaffe mit Wasser und Blumen, in der sich die umgeben- 
den Gegenstände, und namentlich ein Fenster, sehr natürlich 
spiegelten. Caravaggio hielt dies selbst für sein bestes Werk. 
Man freute sich, statt der gespreizten und gezierten Figuren der 
Manieristen, wieder ein Stück Wirklichkeit und Natur zu sehen. 
Man musste vor Allem die WVirkung des Kolorits bewundern. 
Alle künstlichen und konventionellen Farben, mit denen der 
Manierismus Missbrauch getrieben hatte, wurden ausgeschlossen, 
Zinnober und Azur wurden von ihm, wie ein italienischer 
Kunstgeschichtsschreiber einmal sagt, fast gänzlich verbannt; 
nur einfache kräftige Töne wendete er an. Das Studium Gior- 
gione's kam Caravaggio in dieser Beziehung sehr zu statten. In 
der Wahrheit seines Kolorits lag, ehe er sich entschieden der 
Schwarzmalerei zugewendet hatte, das Hauptverdienst dieses 
Künstlers. Darin lag zu gleicher Zeit der grosse Einfluss be- 
gründet, den er fast auf alle hervorragenden Zeitgenossen aus- 
geübt hat. Annibale Caracci sagte in seiner derben Weise von 
ihm, er müsse sich wohl Fleisch zum Malen des Fleisches rei- 
ben! Von den übrigen Akademikern bekunden diesen Einfluss 
am Meisten Guido Reni und Guercino; von den Franzosen Vouet 
und 
Valentin; 
VOll 
den 
nordischen 
Künstlern 
Honthorst 
und 
Rubens! Bis dahin nun War die neue Weise Caravaggids wohl 
berechtigt, und selbst seine Gegner verkennen dies nicht. Sie 
geben zu, wie Grosses er in dieser Beziehung geleistet habe, 
und wie günstig er in diesem Sinne auf die Kunst hätte wirken 
können. Nun aber lag in dem Wesen und Charakter dieses 
Mannes Vieles, was der an sich berechtigten Auffassung eine un- 
heilvolle Wendung gab. Roh und ungebildet in seinem Wesen
        

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