Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390010
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gen's umschreibender Uebersetzung (a. a. O. p. 273 i'll), mittheilen. 
"Einigen Malern ist dieselbe (die Antike) von grossem Nutzen, 
anderen verdcrblich bis zur Vernichtung ihrer Kunst. Ich habe 
jedoch die Ueberzeugung, dass, um in der Malerei zum höchsten 
Grade der Vollendung zu gelangen, man die (antiken) Statuen 
nicht allein genau kennen, sondern vonihrem Verstandniss ganz 
und auf das innigste durchdrungen sein muss. Bei dem Ge- 
brauch, welchen man von denselben in der Malerei machen will, 
ist aber eine Einsicht in die derselben eigenthümlichen Gesetze 
erforderlich, so dass man auf dieselbe durchaus nichts überträgt, 
was in der Bildhauerei nur nothwendige Bedingung des Stoffs, 
worin sie arbeitet, nämlich des Steins ist. Denn viele unerfah- 
rene, aber selbst auch erfahrene Maler unterscheiden nicht den 
Stoff von der darin ausgedrückten Form, nicht den Stein von 
der darin gearbeiteten Figur, nicht Dasjenige, wozu den Künst- 
ler die Natur des Marmors zwingt, von dem von demselben un- 
abhängigen allgemeinen Kunstgehalt. Ein Hauptgrundsatz aber 
ist, dass, wie die besten antiken Statuen für den Maler vom 
grössten Nutzen, so die geringen unnütz, ja selbst schädlich 
sind. Denn während die Anfänger glauben, wunder was zu ge- 
winnen, wenn sie von denselben etwas Hartes, Scharfbegrenztes, 
Schwerfälliges und eine übertriebene Anatomie auf ihre Male- 
reien übertragen, geschieht dieses doch nur auf Kosten der 
Naturwahrheit, indem sie anstatt Fleisch mit den Farben nur 
Marmor darstellen. Denn selbst bei den besten antiken Statuen 
sind für den Maler viele Dinge zu berücksichtigen und zu ver- 
meiden, welche nicht den Bildhauer (sondern den Stoff, worin 
er gearbeitet hat) betreffen. Dahin gehört vorzüglich die Ver- 
schiedenheit der Schatten. In der Natur wird nämlich durch 
das Durchscheinende des Fleisches, der Haut, der knorp- 
lichen Theile, Vieles in den Schatten gemildert, was in den 
Skulpturen hart und schroff erscheint, indem die Schatten 
durch die natürliche und gleichsam unüberwiudliche Dichtig- 
keit des Steines verdoppelt werden. Wer nun diese Unter- 
schiede in gehöriger Schärfe erkannt hat, kann sich dem Stu- 
dium der antiken Statuen nicht eifrig genug hingeben. Denn 
was vermögen wir Entartete in diesen Zeiten der Verkehrtheit? 
Wie gross ist der Abstand von dem kleinlichen Geiste, der uns 
Verkümmerte am Boden fesselt, zu jener erhabenen, dem Geiste 
als ursprüngliche Eigenschaft innewohnenden Einsicht (in das 
Wesen der Natur) bei den Altem. Ueber Rubens Beschäftigung
        

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