Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389987
ZUU 
Thesaurus des gesammten Alterthums, der mit solchem Fleiss 
ergründet und in so schöner Ordnung der allgemeinen Kennt- 
niss dargeboten wird. Denn das Buch Ew. Herr]. selbst ist, um 
es mit einem Worte auszusprechen, eine überreiche Schatz- 
kammer aller Aussprüche, Beispiele und Grundsätze, die von 
den Alten jemals zum Ruhm und zur Würde der Malerkunst an 
verschiedenen Orten niedergeschrieben und zu unserm grösstcn 
Vortheile bis auf den heutigen Tag erhalten worden sind. So 
hat Ew. Herrl. den Titel und den Gegenstand Ihres Buches 
wDe pictura Veteruma bis auf den letzten Grund erschöpft. 
Lehrsprüche und Gesetze, Urtheile und einzelne Beispielsfälle, 
die uns die grösste Aufklärung gewähren, sind dem Werke an 
den verschiedensten Stellen eingeflochten und mit eben so be- 
wundernswürdiger Gelehrsamkeit, als in glänzender Form zum 
Ausdruck gebracht. Das ganze Werk aber ist nicht blos durch 
die strengste und vollkommenste Anordnung ausgezeichnet, son- 
dern es glänzt auch nicht minder durch künstlerische Feile und 
durch eine seltene Sorgfalt der Ausführung. Da nun aber jene 
Werke der alten Maler nur durch die Einbildungskraft, und 
zwar natürlich je nach der besonderen Fähigkeit und Anlage des 
Einzelnen, aufgefasst werden können, so wünschte ich wohl, 
dass man mit demselben Fleisse einmal eine ähnliche Abhand- 
lung über die Malereien der Italiener schriebe, deren Vorbilder 
oder Prototype noch heut der öffentlichen Betrachtung ausge- 
stellt sind, die man mit den Fingern weisen und von denen man 
sagen kann: Das sind siei. Denn was unter die Sinne fallt, 
prägt sich schärfer ein und bleibt fester haften; so wie es auch 
eine genauere Untersuchung erfordert und den Forschern einen 
reicheren Stoff der Erkenntniss darbietet, als das, was sich der 
Einbildungskraft gleichsam nur als ein Traumgebilde darstellt; 
und was man nur mit Worten fassen kann, kann selbst bei drei- 
facher Bemühung uns so leicht wieder entschwinden, wie dem 
Orpheus einst das Bild seiner geliebten Eurydice und alle Hoff- 
nungen sind dann vergebens gewesen. Ich spreche aus eigener
        

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