Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389933
welche Rechenschaft Sie von lhren Handlungen ablegen können. 
Alles was ich Ihnen sagen kann ist, dass ich mich sehr freuen 
werde, wenn Sie fortan lernen, wie Leute Ihres Standes an 
Personen des unsrigen zu schreiben haben. Denn können Sie 
versichert sein, dass ich sein werdet etc. etc. Gaehet sieht in 
diesem Schreiben ein Zeichen adliger Brutalität, für deren V er- 
ringerung er die so oft verdammten Revolutionen segnet. Die 
lnfantin war von dem verschworenen Adel und von der Ver- 
sammlung, deren in dem Briefe Erwähnung geschieht, zu sehr 
beherrscht, um Rubens Genugthuung zu geben. Was nun die 
Absicht jener Verschworenen betrifft, Belgien von dem spa- 
nischen Joche loszureissen, so 'ist darin nach Gachet's Ansicht 
allerdings eine der kühnsten und nationalsten Ideen der belgi- 
schen Geschichte zu erkennen, und es möchte Rubens vielleicht 
von mancher Seite verübelt werden, sich an diesem Projekte 
nicht betheiligt zu haben. 
vWenn man aber, setzt Gachet p. LX. hinzu, alle die 
Elemente näher betrachtet, die zu jener Zeit die Reorganisa- 
tions-Parthei ausmachten, so wagt man kaum, Rubens aus 
seiner Nichtbetheiligung einen Vorwurf zu machen, und er hat 
wahrlich gut daran gethan, sich nicht zu den begehrlichen Plä- 
nen eines Heinrich von Bergen hinzugeben, der sich an Holland 
verkaufte, oder eines Warfusee, jenes durch seine Erpres- 
sungen berüchtigten Administrators und später infamen Mörders 
von Laruelle; er hat wohl daran gethan, einer ehrgeizigen Ari- 
stokratie nicht zu schmeicheln, die ihre Herrschaft damit be- 
gann, dass sie den Künstler daran erinnerte, er sei nicht adelig 
genug, um sein Land in einer Gesandtschaft zu vertreten, und 
welche überdies die Fremden vielleicht weniger aus dem Ge- 
fühle eines nationalen Stolzes, als aus dem eines verletzten 
Egoismus hasste; mit einem Worte, er that Recht daran, sich 
zur Parthei Isabellais zu halten, welche ohne die spanischen 
Einflüsse wahrhaft national gewesen wäre; und, wenn man es 
sagen darf, er hat Recht gehabt, nicht mit den Fremden und 
den Feinden seines Vaterlandes zu konspiriren, um eine Unab- 
hängigkeit zu erringen, welche mit der Zerstückelung unserer 
Provinzen hätte erkauft werden müssenw 
So steht Rubens nach dem Urtheil eines patriotischen Bel- 
giers selbst auch in dieser Beziehung gross und rein von Vor- 
Würfen da.  
Wie wunderbar aber ist, wenn man einen Blick allfjene 
beiden Briefe wirft  der YVechsel der menschlichen Dinge. 
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