Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387681
ÄVlll 
künstlerischen Werth zuschreiben; wohl aber wird man die 
Meister dieser Richtung insofern milder beurtheilen, als nicht 
sie allein es sind, Welche die Schuld dieses Verfalles tragen. 
bilden haben.  Ferner wird der Unterschied der spekulativen und sen- 
sitiven Zeichnung auseinandergesetzt, und das Resultat ist, dass alle spe- 
kulativen, Verstandes- und Real-Wissenschaften Kinder der Zeichnung 
sind, nicht minder als alle moralischen Wahrheiten, und die sieben Künste 
der Bekleidung, des Waldes (Jagd und Viehzucht), des Krieges, der Schiff- 
fahrt, des Landbaues, der Arzneikunst, wozu noch die Kunst der Behand- 
lung des Erzes, nebst allerlei Industriezweigen, kommt. Schliesslich werden 
dann die abweichenden Ansichten G. Vasarfs und G. B. Armillinfs (Armenini, 
vergl. 5.14) über die Zeichnung widerlegt, und Zuccaro geht in dem 
zweiten Buche zu den einzelnen Arten der äusseren Zeichnung (disegno 
esterno) und zu den Gattungen der zeichnenden Künste selbst über. Es 
wird zunächst die "natürliche" Zeichnung, als Quell und Grund der Formen 
aller natürlichen Dinge betrachtet, und dann die xkünstlcrisehe" (disegno 
artitieioso) als Princip aller Künste, sowohl der freien als auch der 
mechanischen, hingestellt. Auch hier, wie in den unten angeführten Lehr- 
sprüchen, bleibt der Verfasser meist in Allgemeinheiten stehen. Die eigent- 
liche Zeichnung wird nach Leib, Geist und Seele betrachtet; unter dem 
Leibe wird die äussere Form verstanden; unter dem Geiste die Leben- 
digkeit und Kühnheit der Bewegung in Blick und Haltung der dargestellten 
Figuren; unter der Seele endlich Grazie, Leichtigkeit und Anmuth der 
Zeichnung, sowie die Natürlichkeit des Kolorits, das von aller Alfektation 
frei bleiben muss. Endlich wird noch eine dritte Art der äusseren Zeich- 
nung als „pr0duktive, diskursive und phantastische" angeführt, welche 
der Darstellung aller derjenigen Dinge zu Grunde liegt, die von der 
menschlichen Phantasie und der Willkür, dem „capriccio" irgend einer 
beliebigen Kunstweise erfunden werden können, und danach das Verhältniss 
der einzelnen Künste zu einander festgestellt. Zum Schluss indessen 
erhebt sich der Verfasser wieder zu den kühnsten Allgemeinheiten; die 
Philosophie wird als metaphorisch-gleichnissarliges Zeichnen hingestellt; 
alle einzelnen Wissenschaften, selbst die "fheologie nicht ausgenommen, 
und alle Tugenden der denkenden Seele "auf die Zeichnung zurückgeführt, 
und diese selbst als zweite Sonne des Weltalls, als "geschaffene Gottheit" 
und belebende, erhaltende und schaffende Natur gleichsam zum Princip 
aller Dinge erhoben. Eine allerdings nicht ganz ernst gemeinte Etymologie 
des Wort-es "Disegno", das von "Üiu" und „segno" abgeleitet und als 
„Gleichniss und Zeichen Gottes" erklärt wird, beschliesst den Traktat, den 
Zuccaro, in einem bei Bottari ebenfalls abgedruckten Schreiben, dem 
Herzoge Carlo Emanuele von Savoyen gewidmet hat.
        

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