Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389649
sicht nach nichts Anderes übrig, als diesen Gehorsam ehren- 
voller und weniger fühlbar durch unsere freiwillige Beistimniung 
zu machen. Aber dies scheint mir allerdings nicht so leicht, 
noch sogleich thunlich zu sein. 
Darum verweist mich auch Ew. Herrl. sehr richtig auf die 
Zeit, welche, wie ich holTe, in mir dasselbe zu Wege bringen 
Wird, was eigentlich die Vernunft thun sollte; denn ich vermesse 
mich nicht, jemals zu einer stoischen Unerschütterlichkeit zu 
gelangen, noch auch bin ich der Meinung, dass irgend eine dem 
Gegenstande so entsprechende menschliche Eigenschaft un- 
passend für einen Menschen sei, ebensowenig, als alle Dinge 
dieser Welt für denselben gleichgültig sein müssen; wsed aliqua 
esse quae potius sint extra vitia quam cum virtutibusr, und dass 
diese nothwendig in unserem Geiste gewisse Empfindungen, die 
man nicht tadeln darf, nach sich ziehen. 
Ich habe in der That eine vortreffliche Gefährtin verloren, 
die man mit Recht lieben durfte, ja vielmehr lieben musste, in- 
dem sie frei von den gewöhnlichen Fehlern ihres Geschlechtes 
war. Ohne Grämlichkeit und weibische Schwäche, war sie 
durchaus gut und tugendhaft und sowohl während ihres Lebens 
geliebt, als auch nach ihrem Tode wegen ihrer Tugenden von 
Allen betrauert. Ein solcher Verlust scheint mir wohl einer 
lebhaften Empfindung Werth zu sein, und da das wahre Heil- 
mittel gegen alle Uebel in der Vergessenheit, der Tochter der 
Zeit, liegt, so darf ich auch wohl ohne Zweifel von dieser Hülfe 
und Beistand erwarten. Doch finde ich es sehr schwer, bei dem 
Andenken einer Person, die ich, so lange ich lebe, zu achten 
und zu verehren habe, nicht zugleich auch den Schmerz des 
Verlustes zu empfinden. Eine Reise, glaube ich, würde sehr 
geeignet sein, mich den Eindrücken so vieler Gegenstände zu 
entziehen, die nothwendig meinen Schmerz lebendig erhalten 
müssen, vut illa sola domo moeret vacua stratisque relictis in- 
cubatü, Und die neuen Gegenstände, die sich dem Auge dar- 
bieten, wenn man den Aufenthaltsort wechselt, beschäftigen die 
Einbildungskraft, so dass sie keinen Rückfall in den Herzens-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.