Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387678
XVII 
einer gewissen Ueberfülle konventioneller Formen ergehen, Ohne 
von einem wahrhaft menschlichen, tieferen Gehalt belebt Zll 
sein, deshalb weder schöner finden, noch ihnen einen höheren 
selbst getrennt, sondern ewig mit ihm eins ist. Die innere Zeichnung in 
den Engeln modilicirt sich nach der Natur dieser Wesen, die ganz geistig, 
unkörperlich und unvergänglich sind. Gott schuf neben der äusseren Welt 
zugleich eine geistige Welt in dem Verstande der Engel, und wie er den 
Himmel als den oberen und die Erde als unteren Theil der Welt bildete, 
so bildete er mit den Dingen der Welt, den Elementen, Steinen, Pflanzen, 
Thieren und Menschen, zugleich auch geistige Formen aller dieser Dinge 
in ihrer Allgemeinheit, und impfte dieselben gleichsam dem Begriifsver- 
mögen der Engel ein, welche sie, als rein geistige Wesen, ohne Materie 
und Körper und äussere Sinne, nicht hätten in sich aufnehmen können. 
S0 entstand eine nur den Engeln verständliche Intellektualwelt. Um nun 
nach Gottes Rathschluss als Schutzengel eines einzelnen Menschen, einer 
Stadt oder einer Provinz wirken zu können, müssen auch sie sich eine 
Art innerer Zeichnung bilden, die aber der in Gott befindlichen unter- 
geordnet ist. Nun, sagt Zuccaro, ist der Weg zum Verständniss der 
inneren Zeichnung des Menschen gebahnt. lhm ist dieselbe von Gott zum 
Zeugniss seiner Gottähnlichkeit verliehen, während er auf der anderen 
Seite die Natur damit nachzuahmen und mit derselben zu wetteifern im 
Stande ist. Während aber Gott nur eine Zeichnung in sich trägt, die 
ihrer Substanz nach vollkommen ist und alle Dinge umfasst, bildet der 
Mensch in sich verschiedene Zeichnungen aus, je nachdem die Dinge, 
die er begreift, von einander verschieden sind. Auch sind diese Zeich- 
nungen weniger vollendeter Art, da sie von den Sinnen herrühren. 
Dennoch aber ist diese Zeichnung von hohem Werthe, und man kann sie, 
weil sie den Menschen Gott ähnlich macht, als "Funken der Gottheit" 
(scintilla della Divinitä) bezeichnen, auch als Licht und Grund aller Ver- 
ständniss, sowie als Regel und Ziel aller Thätigkeit. Dies betrifft die 
innere Zeichnung im Allgemeinen; nun werden deren besondere Arten, 
nämlich die spekulative und praktische, aufgeführt und in ähnlicher Weise 
dargestellt; die letztere Art legt sich wieder in eine moralische und eine 
künstlerische Seite auseinander, und diese künstlerisch-praktische Zeich- 
nung wird im 10. Kapitel als Grund aller künstlerischen Thätigkeit des 
Menschen überhaupt hingestellt, obschon dieselbe von der „Kunst" (3119), 
als solcher, wieder getrennt wird. Die Kunst des Malens z. B. kann der 
Maler mit vieler Mühe sich erworben haben; soll er aber irgend am 
besonderes Ding malen, so wird er sich doch immer erst in seinem Ver- 
stande die Zeichnung, gleichsam die Intellektual-Form (59565 Dinges, 7-11 
Künstler-Briefe. U, II
        

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