Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389380
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richtet. Wie wenig ihm solche Aeusserungen zum Vorwurf ge- 
reichen können, habe ich unten an einem bestimmten Fall nach- 
gewiesen. In einer Zeit, in der Alles nach Geld und Besitz 
drängte, vom Papst und Fürsten bis zu den unteren Schichten 
der Gesellschaft, darf es da einem Künstler zum Vorwurf ge- 
macht werden, nicht etwa sich ebenfalls nach Erwerb zu drän- 
gen, was Rubens nie gethan hat, sondern die Bezahlung seiner 
Arbeiten von Seiten jener Höfe zu wünschen, die damit glänzen 
wollten, und sich gelegentlich über deren Verzögerung zu einem 
Freunde zu beklagen? Man wird ihm dies ebensowenig verden- 
ken dürfen, als seine Besorgniss, dass ein ihm zugesagtes, nicht 
gesuchtes, Werk wie die Gallerie Heinrich's IV. einem andern 
Künstler zugesprochen werden möchte. Und wie rasch und 
leicht giebt er dem falschen Richelieu gegenüber diese sehr wohl 
begründete Vermuthung auf! Keine derartige Aeusserung Ru- 
bens' geht über die Grenzen des Rechtes hinaus, dessen Ver- 
letzung er befürchtet, ohne sich aber auch nur dagegen irgend 
Wie zu wahren. Welch ein Recht hat man, ihm einen Vorwurf 
aus etwas zu machen, was keinem Andern je verdacht werden 
kann? Und dennoch hat sich diese Ansicht über Rubens, wenn 
sie auch nie in so gehässiger Weise, als vom Grafen De Laborde 
ausgesprochen worden ist, so weit verbreiten und lange erhalten 
können. Wenn ich nach einem Grunde dieser Erscheinung suche, 
so kann ich das Missverständniss einer Stelle bei Sandrart dafür 
aufführen. Sandrart sagt nämlich bei Gelegenheit der Erneue- 
rung von Rubens' Kunstsammlung, dass man sich damals vüber 
so grosse Ausgaben verwundert habe, weil er sonst nicht von 
Gehenhausen (soll wohl heissen Gebenhausen) war; dannenhero 
ihn viele beschuldigten, dass er das baare Geld gar zu hart 
in Händen haltew Hier ist nicht von hässlicher Geldgier, son- 
dern von sorglicher, der grossen Menge vielleicht zu sparsa- 
mer Haushaltung die Rede, und Sandrart selbst sagt an einer 
andern Stelle in lobendem Sinne, "dass Rubens neben seiner 
eigenen Kunst, auch aus anderer NVissenschaft und Handlung 
seinen Nutzen fürtrefflich zu machen und also sich selbst den 
Weg zum Reichthum wohl zu bahnen wussten: Auch hebt es 
derselbe Schriftsteller, der Rubens hoch verehrte, mehrmals mit 
Bedauern hervor, dass dessen Nebenbuhler Janson, der in Ver- 
schwendung und Schlemmerei versunken war, dem Beispiele 
Rubens so Wenig nachgefolgt sei. S0 viel ist gewiss, Rubens 
wusste den Werth des Geldes wohl zu schätzen; seine ganze 
Lebensstellung, sein praktischer Sinn, seine lvVelterfahrung hatte
        

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