Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389356
läY 
zösische Gelehrsamkeit zu rechtfertigen wohl geeignet waren 
(Brief an Dupuy vom 27. Aprll 1528); in Italien endlich der 
Komthur Del Pozzo und der Kardinal Aleander 1). Die Gegen- 
stände der Mittheilungen sind im Allgemeinen schon oben 
angedeutet; Kunst, Literatur, Politik Waren es, seltener per- 
sönliche Angelegenheiten 2). Ueberwlegend 1st das gelehrte 1n_ 
teresse. In manchen Briefen glaubt man die Worte eines Ge_ 
lehrten zu lesen, der kein andßreS Interesse als neue Bücher 
(26. Decbr. 1625) oder alte Kunstwerke (Aug- 1530 und unten 
Nr. 45) hat, und der mit nichts Anderm, als wissenschaftlichen 
Forschungen beschäftigt ist. Auch die Regelmassigkeit der Mit- 
theilung  gewöhnlich geht jede Woche ein Brief ab  ist schon 
hervorgehoben worden. Was den, wenn man so sagen darf, 
menschlichen Charakter der Briefe anbetrifft, so hat Gachet den- 
selben vortrefflich geschildert. "Wenn sonst", sagt derselbe, win 
Briefen oft Ueberraschungen und Enttäuschungen über grosse 
Personen enthalten sind, so findet dies bei Rubens nicht statt. 
Er ist gprselbeldarinfdwie lpiaäi ihn au? äler Geschlilchte kegnt, 
nur ste er nic it an em ie esta , au cm mani n gewö n- 
lich sieht. Er ist nicht der Fürst der flämischen Malerschule, auf 
dem Throne sitzend , der ihm gebührt, abeiävielleiphthliiehr und 
Besseres: Rubens selbst mit seiner ganzen emüt lic eit, mit 
allen Vorurtheilcn seiner Zeit, mit seinen Künstler- und Ge- 
lehrten -Neigungen, seinen politischen Ideen, und auch seinen 
Fehlern, seinen Sympathien und Antipathienß Von Fehlern, 
denke ich, wird man wenig darin finden; es sei denn die rück- 
haltslose Offenheit, mit der er selbst flüchtigen Regungen und 
Stimmungen Worte gegeben hat. Denn diese, obschon an sich 
unbedeutend, haben noch nach zwei Jahrhunderten partheii- 
schen Beurtheilern Grund zu Vorwürfen, oder vielmehr nur zu 
einem Vorwurf gegeben, der sich indess bei genauerer Be- 
trachtung als durchaus ilngerecht erweisen muss. Dieser Vor- 
wurf geht dahin, dass Rubens mit allzugrossem Eifer nach Auf- 
trägen und Geld getrachtet habe. Ich würde diesen Punkt hier 
gar nicht berührt haben, wenn derselbe nicht in neuester Zeit 
1 In einem Briefe an Peiresc vom 12. Juni 1625 fragt Rubens diesem 
Freungle Grüsse an Del P0229, Dom und Aleanrlro ällf- Vüfgl- auch den 
Brief vom 19. September 1620. Peiresc 
2) Vergl. den Brief an Dupuy vom i2. November 1626 ilndäallelewem 
vom 16. August 1635 über den Absatz seiner Kupferstiehe; eine   B305? 
beit, die er in einem andern Briefe vom 16. März 1535 geradezu d o 
lelle bezeichnet.
        

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