Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389349
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angehörig, auftauchte, da fasste sie ein berufener Geist auf, und 
theilte sie dem Freunde oft in die weiteste Ferne mit. Langsam 
und schwerfallig mag uns jetzt dieser Verkehr erscheinen, wie 
die ersten Kourier- und Postkutschen der damaligen Zeit; aber 
er war vielleicht nachhaltiger und wirksamer, als dies heut zu 
Tage der Fall ist, indem der Einzelne mehr zu selbstthatiger 
Betheiligung an den Ereignissen und den bewegenden Ideen 
herangezogen wurde. Wie dem aber auch sei, es ist ein sehr 
wesentlicher Zug der Zeit selbst, der sich in diesem brieflichen 
Verkehr ausspricht, und nichts ist für Rubens" Stellung zu seiner 
Zeit bezeichnender, als dass er selbst den Mittelpunkt eines 
solchen Verkehres bildete. Dies ist es auch, wodurch sich die 
Korrespondenz Rubens z. B. von der Poussiifs, der ebenfalls viel 
Briefe geschrieben hat, unterscheidet. Die Briefe des letzteren 
beziehen sich fast durchweg auf persönliche Angelegenheiten, auf 
Bilder die er malt, auf die Theorie seiner eigenen Kunstweise, 
aufEreignisse die ihm begegnen; sie tragen einen mehr subjekti- 
ven Charakter an sich. Rubens Briefe sind mehr objektiver Art, 
die Ereignisse der Zeit, die Fragen der Politik beschäftigen ihn; 
über neu erschienene Werke der Literatur, über WVerke der anti- 
ken Kunst berichtet er den Freunden; das persönliche, subjektive 
Interesse geht neben dem objektiven nur nebenher. Man glaube 
in den nachfolgenden Briefen nicht etwa einen Beweis gegen 
diese Behauptung zu linden. Unser Zweck erforderte es, gerade 
diejenigen Briefe besonders hervorzuheben, die ein mehr sub- 
jektives Interesse haben. Dieser Gesichtspunkt hat die Auswahl 
bestimmt. Die bei weitem grössere Mehrzahl der bekannt ge- 
wordenen Briefe (Gachefs Sammlung zahlt gegen 90 Nummern) 
trägt dagegen jenen oben angedeuteten Charakter an sich. Sie 
sind hier nicht mitgetheilt, weil es uns nicht um Rubens, den 
Gelehrten und Politiker, sondern um Rubens, den Künstler und 
Menschen, zu thun ist. Was die Personen anbelangt, mit denen 
Rubens in solchem Verkehr stand, so werden wir diese aus den 
nachfolgenden Briefen selbst kennen lernen; hier genüge es, die 
Namen dieser literarischen und [iersönlichen Freunde zu nen- 
nen. In der Heimath war es vor Allen der berühmte Humanist 
Gevaerts, von heimischen Gelehrten im Anslande Franciscus 
Junius, und, wenn auch keine Briefe an diesen vorhanden sind, 
Hugo Grotius; in England Gerbier; in Frankreich Peiresc, Va- 
laves und die beiden Dupuy's, durch die Rubens dann wieder in 
Bezighung zu den De Thou und Rigault trat; alles Persönlich- 
keiten, die Rubens offen ausgesprochene Vorliebe für die fran-
        

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