Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389322
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flugs, als im literarischen und politischen Leben Roms, Jeder 
einflussreiche Kardinal bildete seinen besonderen Kreis von 
Günstlingen um sich. Fast alle Künstler sind so an die Gunst 
der Grossen geknüpft und von ihr abhängig gewesen. Der stete 
Wechsel des Glückslaufs betraf dann nicht selten den Günstling 
wie den Gönner. ln anderen Städten Italiens hatten die weltlichen 
Hof-Intriguen nicht geringeren Einfluss, als in Rom die geistlichen. 
In Frankreich und England, als überwiegend monarchischen Staa- 
ten, zeigt sich dies noch deutlicher. Rubens dagegen hat sich  
wie einst Tizian  von solchen Einflüssen ganz frei gehalten. 
Wohl arbeitete er für Höfe; an Höfen aber arbeitete er nur, 
wenn er durch politische Sendungen daran gefesselt war. In 
seinem Hause lebte er in gänzlicher Unabhängigkeit. Und zwar 
trägt diese Unabhängigkeit einen glänzenden, ich möchte sagen, 
fürstlichen Charakter an sich. Es ist bekannt, mit welcher 
Pracht er sich ein Haus errichtete. Breite Treppen führten zum 
Atelier empor. Ein Rundbau, nach dem Muster des Pantheons 
in Rom, war zur Aufnahme seiner kostbaren Kunstsammlung 
bestimmt. Auch bei Rembrandt werden wir eine solche Unab- 
hängigkeit kennen lernen. Nur dass diese mehr bürgerlich, 
volksthümlich, republikanisch war. 
Innerhalb dieses schönen und unabhängigen Lebens tritt 
dann aber die rastlose Thatigkeit des Künstlers um so auffal- 
lender und lobwürdiger hervor. Am frühen Morgen  im Som- 
mer schon um vier Uhr  erhob er sich, hörte die Messe und ging 
an die Arbeit, die er nur kurz vor Tische unterbrach, um der 
Unterhaltung mit Freunden zu pflegen, oder einen Spazierritt 
auf edelem Bosse zu machen. Im Essen und Trinken war er 
massig, wie einst Michel Angele; er wollte durch Speisen- 
Genuss die geistige Schöpfungskraft nicht lahmen. Nach der 
Tagesarbeit bot der Verkehr in der Familie  er hatte sich 
schon 1609 mit Elisabeth Brandt verheirathet  oder mit 
Freunden Erquickung nach der ununterbrochenen Arbeit des 
Tages dar. Besuche empfing er während der Arbeit; er selbst 
machte deren keine. Zu seinen Erholungen gehörte ferner, was 
Anderen oft Lebensberuf ist, Kunstliebhaberei und literarischer 
Verkehr. Was die erstere anbelangt, so haben wir schon oft 
darauf hingewiesen, wie Kunstliebhaberei und Kennerschaft sehr 
wichtige Bestandtheile der damaligen Zeitbildung ausmachten. 
Beide finden wir in Rubens in seltenem Maasse vereint. WVie 
sein Sinn auf die Kenntniss und geistige Durchdringung des 
klassischen Alterthums (vergl. unten Nr. 52) gerichtet war, so
        

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