Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389319
damaligen Bildung im Sinne Seiner Nationalität aufgefasst und 
verschmolzen zu haben. Das konnte er nur, wenn er in seiner 
Heimath, mitten unter den nationalen Einflüssen Weiter scnnfj 
S0 allein konnte er den Abschluss der nordischen Kunst-Ent- 
Wickelung bilden, was er nach einer Seite ebensg entschieden 
gethan, als Rembrandt nach der andern. Wie er aber diesen. 
seinen Entschluss, im nationalen Sinne 1D der I-Ieimatn zu Wir_ 
ken, ausführte, lasst einen deutlichen Blick in das Vernältniss 
thun, in dem in seinem Innern der Künstler zum Welt- und 
Hofmanne stand. Man wünschte, indem man ihn zum Hofmaler 
ernannte, ihn in Brüssel zu behalten. Die Liebe der Erzherzöge 
und die Freundschaft des Ministers Spinola hätten ihm hier eine 
hohe und einflussreiche Stellung gesichert. Rubens dagegen 
nahm von der ihm zugedachten Ehre nur das an, was seinen 
Künstlerberuf nicht beeinträchtigte. Anstatt sich in das fest- 
gegliederte Leben des Hofes einzufügen, zog er es vor, sich ein 
neues zu schaffen. n Ich bin des Hoflebens satte, sagte er später 
einmal von dem französischen, und wich hege einen Abscheu 
dagegcnu, von dem englischen Hofe. Man hat dies wohl aus 
anderen Gründen zu erklären gesucht, wie aus dem Aerger über 
verspätete oder ganz ausgebliebene Zahlungen; aber der eigent- 
liche Grund lag tiefer. Es war der, dass der Künstler in ihm 
den Hofmann überwog. Es war die Ueberzeugung, dass mit dem 
Hofleben die Wahrhaft freie Entfaltung des künstlerischen Gei- 
stes unvereinbar war. Die erste Aeusserung dieser Gesinnung 
war eine faktische; sie ist in der Weigerung ausgesprochen, sei- 
nen Aufenthalt in Brüssel zu nehmen. Er stellte die Bedingung, 
in Antwerpen leben zu dürfen. Und nun, da man dies, wenn 
auch gewiss nicht gern, bewilligt hatte, beginnt eine neue Zeit 
für ihn; ein Leben so reich an geistigen Interessen und so glän- 
zend zugleich, dass man fast das Ideal eines Künstlerlebens darin 
sehen möchte. Es sollen hier, ohne auf den ganzen Reichthum 
der nun sich entfaltenden Thätigkeit einzugehen, nur die haupt- 
sächlichsten und für Rubens" künstlerische Charakteristik we- 
sentlichsten Seiten derselben hervorgehoben werden. 
Zunächst ist die vollkommene Unabhängigkeit dieses Le- 
bens zu beachten. Dies ist für das Wesen der nun sich im 
Norden entwickelnden Kunstweise sehr beachtenswerth. Von 
den italienischen Meistern der damaligen Zeit haben die meisten 
in abhängigen Verhältnissen gelebt. Das ehrgeizige Treiben ne- 
mentlich am römiSChen Hofe hatte sie mit in seine Kreise gelo- 
gen. Der Nepotismus hatte im Kunstleben nicht geringeren Ein-
        

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