Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389285
lüU 
dieser und der religiösen Freisinnigkeit des Vaters ist noch die 
Gewohnheit einer unabhängigen und wohlbehäbigen Existenz zu 
rechnen, um die bestimmenden Einflüsse kennen zu lernen, 
unter denen Rubens, erste Ausbildung und früheste Entwicke- 
lung statt fand. Nach dem Tode des Vaters, den Rubens in sei- 
nem zehnten Jahre verlor, kehrte die Mutter nach ihrer Heimath 
zurück. Dort traten andere Einflüsse hinzu. Vor allen Rubens 
Erziehung bei den Jesuiten, die im Besitz ausgedehnter klassi- 
scher Bildung waren und die Liebe zu derselben auf den Zögling 
übertrugen. Sodann, da mit der Rückkehr nach der Heimath 
die verfallenen Güter wieder an die Familie zurückgelangten, 
das Bewusstsein gesicherten reichen Besitzes und angesehener 
Stellung. Endlich die höhere gesellschaftliche Ausbildung, die 
Rubens dadurch erlangte, dass er, nach der Sitte der Zeit, in 
den Dienst einer reichen und hochstehenden Edelfrau trat. Es 
ist nicht zu verkennen, wie alle diese Einflüsse mitgewirkt ha- 
ben, um den Charakter zu bilden, den Rubens später als Mensch 
und Künstler bekundet hat. Denn zu dem Allen trat noch das 
künstlerische Element hinzu. In dem Pagen der Frau von La- 
laing begann sich der Künstler zu regen und nun konnte jenes 
Leben den Jüngling nicht mehr befriedigen. Nach mancherlei 
Kämpfen erst durfte Rubens sich der Kunstübung als seinem 
Lebensberuf hingeben. Ich unterlasse es, den Zustand der da- 
maligen niederländischen Kunst, in welchem heimische und ita- 
lienische Elemente in wenig erfreulicher Weise durcheinander 
gemischt waren, hier näher zu schildern. Waagen hat ein an- 
schauliches Bild davon entworfen. Rubens erhielt erst den 
tretflichen Landschafter Verhaegt zum Lehrer, was für seine 
spätere Kunstweise von grossem Einfluss geworden ist. Der 
darauf folgende Unterricht bei van Noort wurde wegen der Roh- 
heit des Meisters dem feingebildeten Jüngling verhasst und bald 
aufgegeben. Nun konnte es sich für Rubens nicht günstiger 
fügen, als dass er zu Octavius van Veen in die Schule kam. 
Dieser Künstler hatte sich, obschon auch er an jener im Grunde 
unorganischen Verbindung niederländischer und italienischer 
Kunst-Elemente Theil hatte, trotzdem einen feinen Natursinn 
und eine gewisse Naivetät bewahrt, die namentlich in seinen 
Sinnbildern der Liebe höchst erfreulich sich aussprechen. Er 
war überdiess ein durch feine Bildung und Gesittung gleich an- 
gesehener Mann; sein Wesen hatte etwas dem Schüler ver- 
wandtes. S0 kam_zu Rubens künstlerischer Entwickelung, so- 
weit diese die Heimath gewähren konnte, die letzte glückliche
        

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