Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389269
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Besitzung in Cento werden mehrere Messen daselbst gestiftet. 
Der h. Jungfrau de] Rosario zu Cento wird eine goldene Kette 
von 60 Doppien Werth als Legat vermacht, an Festtagen umzu- 
hängen. (Diese Kette ist trotz aller Vorsichtsmaassregeln des 
Testators später verschwunden, wie auch die zur Stiftung der 
Messen bestimmten KapitaYien.) Mehreren Nichten und Neffen 
werden Häuser und Jahrgehalte ausgesetzt. Seine beiden liebsten 
Schwestern aber, Maria und Lucia, welche mit dem Erblasser 
zusammenleben, soll der Haupterbe erhalten und hoch ehren, 
wie er es selber gethan, für jede derselben eine Magd halten und 
ausserdem einer Jeden 10 Scudi jährlich als Taschengeld geben. 
Sterben sie in dem Hause des Erben, so dürfen sie noch über 
je 50 Scudi nach ihrem Belieben verfügen. Er würde sie, setzt 
Guercino hinzu, selbst zu Haupterben ernannt haben; tveil er 
aber wisse, wie viel Unruhe und Qual den Wittwen in seiner 
Zeit bereitet werde, glaube er sie auf diese Weise viel sicherer 
gestellt zu haben und hoffe, dass sie ihm Dank dafür wissen 
Würden. Universalerben in allem Uebrigen sind Benedetto und 
Cesare de' Gennari, seine liebsten Neffen, die gegen ihn gehor- 
sam und liebevoll gewesen sind, wie Söhne gegen einen Vater. 
Sie erben zu gleichen Theilen. Stirbt einer von ihnen, ohne 
Kinder zu hinterlassen, so tritt der Andere für ihn ein. Keiner 
darf ohne "Wissen und Willen des Andern etwas veräussern. 
Wenn einer wegen eines Kapitalverbrechens gestraft werden 
sollte, so geht er der ganzen Erbschaft verlustig; durch Recht 
oder Gnade restituirt, tritt er auch in die Erbrechte wieder ein. 
Schliesslich ermahnt er die Brüder, sie möchten friedfertig und 
in Eintracht mit einander leben; auch den übrigen Verwandten 
stets mit Bath und That beistehen und sich vor Allem nicht 
durch üble Nachreden und Verleumdungen gegen einander zu 
Misstrauen und Unfriede verleiten lassen.  Gualandi Mem. 
I. 150-159.  Der milde und fromme Sinn, den Guercino 
durch sein ganzes Leben hindurch bekundet hat, tritt auch in 
diesem seinen letzten Willen in rührender Weise zu Tage. 
wFece un testamentm, sagt der gleichzeitige Biograph bei Mal- 
vasia, ßdegno da essere veduto da tutto il mondo, con ricordi 
veramente espressi da un animo di Paradison
        

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