Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387644
XIV 
technischen Fertigkeit, andererseits aber auch durch tiefere, 
im Leben der Zeit selbst liegende Gründe bedingt ist. Will 
man jene kurzen Jahrzehende der Blüthe in wenigen Worten, 
Wenigstens nach einer Seite hin, charakterisiren, so kann man 
dieselben, wie ich dies früher einmal gethan, als die Zeiten 
bezeichnen, in denen die klassische Welt und Kunstanschauung 
sich mit der christlichen zu einer wunderbaren Einheit und 
Harmonie verschmolzen hatte, und in Welchen man nach nichts 
Anderem strebte, als nach der vollendeten, durch ethischen 
Gehalt geadelten Schönheit der Formen, gleichviel, 0b deren 
specieller Inhalt christlich oder heidnisch war. Eine solche 
Kunstweise, in der sich damals zugleich die geistige Richtung 
und die Bildungsstufe des ganzen Volkes aussprach, bleibt 
erfreulich, so lange die ihr angehörenden Meister sich die 
stille Sammlung und die gleichmässige reine Stimmung des 
Gemüthes bewahren, wie etwa Rafael und Michel Angelo sie 
gehabt, und sich mit Liebe und Hingabe der künstlerischen 
Produktion, nur um ihrer selbst Willen, widmen. Nun aber 
macht sich im Verlaufe des sechszehnten Jahrhunderts, anstatt 
jener stillen Sammlung, gar bald eine gewisse Hast und Lei- 
denschaftlichkeit in den Gemüthern der Menschen geltend, und 
die Künstler, dem Zuge der Zeit nachgebend, übertragen diese 
Stimmung nur allzu rasch in ihre Kunstübung. Die Schwierig- 
keiten der Technik waren überdies bis zur Virtuosität über- 
wunden, und so lag auch von dieser Seite kein Hinderuiss vor, 
den so veränderten Sinn der Zeit zum künstlerischen Ausdruck 
zu bringen. Die Kunstweise, die daraus hervorging, pflegen 
wir mit dem schon im siebzehnten Jahrhundert gebräuchlichen 
Namen des Manierismus zu bezeichnen (S. u. S. 34). Das Wesen 
dieser Kunstweise besteht in der äusserlichen Beibehaltung der 
Formen und Darstellungsmittel, deren sich die grossen Meister 
der Blüthezeit bedienten, ohne dass aber damit die Beibehal- 
tung des Geistes und der Gemüthstiefe dieser Meister ver-
        

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