Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389226
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weiblichen Gestalten; nicht minder sei es tadelnswerth, die Zuge 
geliebter Frauen für Heiligenbilder zu benutzen; schon die Be- 
nutzung bestimmter männlicher Vorbilder oder Modelle für die 
Darstellung heiliger Gestalten sei gefährlich; am Besten sei es, 
sich nach der Wirklichkeit zu richten und etwa vorhandene 
authentische Porträts von Heiligen zu Vorbildern zu benutzen; 
weshalb denn auch mitunter Heilige den Malern in Visionen 
erschienen seien, um ihnen eine treue Anschauung ihres wirk- 
lichen Aussehens zu gewähren. Eine sehr wichtige Frage ist es 
dem Autor, ob es dem Maler gestattet sei, an Festtagen zu ma- 
len. Es wird zur Lösung derselben eine umfassende Literatur 
aufgeboten, erst werden die kirchlichen Autoren angeführt, 
welche das Malen an Feiertagen gestatten, dann solche, die es 
verbieten wollen; ferner mehrere zweifelhafte Fälle auseinander- 
gesetzt: wenn der Maler z. B. das Bild an eine Kirche ver- 
schenken wolle, wenn er zur eigenen Belehrung arbeite u. s. w. 
Endlich folgt die Entscheidung des Autors selbst, die 
dahin geht, dass die Malerei, als freie Kunst, an Festtagen 
geübt werden dürfe; insofern sie aber mechanisch und nicht 
frei sei, wäre dies nicht gestattet; öffentlich dürfe ein Maler 
unter keiner Bedingung an Festtagen arbeiten; wohl aber allein 
und in der Zurückgezogenheit, um keinen Skandal zu geben, 
gleichviel, ob es um Lohn, aus Frömmigkeit oder zu eigener 
Belehrung geschehe; alles aber, was den mechanischen Thei- 
len der Beschäftigung angehört, das Farbenreiben, das Auf- 
spannen der Leinewand, das Grundiren derselben und ahn- 
liches sei durchaus verboten und sündhaft. Dies sind einige 
der Gewissensfragen, die zum Nutzen des Künstlers behan- 
delt werden. Andere betreffen die Besitzer. Bilder mit nack- 
ten Figuren solle man nicht aufhängen. Es werden schreck- 
liche Folgen derartiger Bilder erzählt. Ein Vater sei, weil er 
dies Verbot nicht befolgt, nach dem Willen der Vorsehung von 
seinen eigenen Söhnen erschlagen worden; ein Mann, der 
in einem Zimmer, worin sich nackte Figuren befanden, an 
schwerer Krankheit darnieder gelegen, sei auf wunderbare 
Weise gesund geworden, nachdem er das Zimmer verlassen. 
Nun aber seien doch einmal viele Bilder der Art verbreitet. Wie 
solle man sich helfen?  Man könne dieselben entweder in wenig 
besuchte Gemächer hängen oder mit Leinewand überdecken, was 
denselben durchaus nicht schädlich sei. Man könne sie auch 
übermalen lassen, wie Gio. Francesco Sanfelice in Neapel im 
Jahre 1543 gethan. Er habe eine nackte Venus besessen, der ein
        

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