Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389162
1.10 
Anhänger zu gewinnen. Aber ein freundschaftliches Verhältniss 
konnte zwischen zwei so verschiedenen Naturen nicht bestehen. 
Guercino war friedlich, einfach, gottesfürchtig. Caravaggio roh, 
abstossend, leidenschaftlich (quanto al costume, era sinistro per 
la sua bestialita, sagt Passeri von ihm). Auch wurde der Umgang 
bald abgebrochen, als eine Arbeit in der Kirche von Loreto, auf 
welche Caravaggio sich Rechnung gemacht hatte, unter Beide 
vertheilt werden sollte. Guercino trug dies dem älteren Meister 
höchst bescheiden vor; er meinte, er wolle als sein Schüler mit 
ihm dort arbeiten. Eine Zeit lang hatte ihn Caravaggio, der beim 
Kaminfeuer beschäftigt war, angehört, da stiess er heftig mit der 
Feuerzange auf den Boden und sprang voller WVuth auf, er solle 
ihn nicht verhöhnen, die Arbeit würde entweder von Caravaggio, 
oder von Guercino "gemacht werden, von Theilen könne zwischen 
ihnen Beiden keine Rede sein. S0 verliess er den erschreckten 
Guercino, der froh war, das Haus mit heilen Gliedern zu ver- 
lassen. Die Arbeit bekam später weder der Eine, noch der An- 
dere.  So löste sich jenes Verhältniss auf, das aber doch für 
Guercino von grossem Einfluss geworden ist. Er hat das Düstere 
und Ernste von Jenem beibehalten, nur dass er dasselbe durch 
eine höhere Grazie veredelte. Er steht so zwischen Guido Reni 
und Caravaggio mitten inne. Milder, zarter als dieser, war er 
kräftiger und kühner, als jener; seguace della fierezza nennt ihn 
Malvasia im Gegensatz zu Guido Reni. Man muss bedenken, 
dass dieser sich damals schon mehr seiner letzten zarten Manier 
zugewendet hatte, wie dies auch Guercino später gethan. Das 
warme Kolorit, das schöne Helldunkel, verbunden mit einem 
tieferen Gefühl für Wahrheit und Empfindung, hat er auch 
später vor jenem voraus behalten. In ähnlicher Weise, wie ihre 
Kunstübung, waren auch ihre Charaktere verschieden. Guercino 
war still, nach innen gekehrt, schweigsam. Von dem vornehmen 
Wesen Guido's zeigte er gerade das Gegentheil. Eine gewisse 
bäuerische Befangenheit soll er nicht eher abgelegt haben, als 
bis er, nach Guido's Tode, nach Bologna ging, um dort dessen 
Stelle als Lehrer einzunehmen. Nur Eines hatten sie gemein 
mit einander  sie sollen niemals Umgang mit Frauen gehabt 
haben. Einmal allerdings, es war um das Jahr 1632, wurde eine 
Heirath fürGuercino beabsichtigt und berathen; er hatte aber 
wenig Lust zu derselben und ein Ruf an den Hof von Modena 
diente zum erwünschten Vorwand, die Unterhandlungen abzu- 
brechen, die auch nicht wieder aufgenommen wurden. So lebte 
er denn fortan mit der Mutter und zwei geliebten Schwestern,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.