Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389135
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Ihnen indess darauf Zu entaesnen, dass wenn Domenichino 
ein Paar Kleider machen lassen musste, ich deren sieben 
machen zu lassen habe, und das kommt alle Tage vor. Dabei 
will ich es ganz bei Seite lassen, dass jener, um reiß], zu werden, 
ein sehr zurückgezogenes Leben geführt hat. Mir erscheint das 
als eine Erbärmlichkeit, und man sieht es auch an dem Ende, 
das er genommen hat. Jener hat auch keine Töchter verheira- 
thet, was ich gethan; noch hat er so viel Reisen gemacht, als ich, 
was mich doch immer, Eins zum Andern gerechnet, ein Tausend 
Dukaten mindestens gekostet hat, und immer ganz nutzlos. 
Ich könnte noch etwas Anderes anführen, und da Sie es doch 
beinahe selbst denken können, brauche ich mich nicht zu ent- 
halten, es zu sagen; ich meine nämlich, dass Domenichino, wenn 
er eine Frau von der Art der meinigen gehabt hätte, auch nicht 
so viel erübrigt haben würde, um sich begraben lassen zu können. 
Und doch wird man wohl bei manchen Gelegenheiten hören kön- 
neu, dass ich niemals etwas für sie gethan hatte. Mein Trost ist 
nur der, dass es andern Ehemannern, wenn sie auch nicht gerade 
an eben solche Thiere, wie ich, gerathen sind, doch im Ganzen 
auch nicht viel besser ergeht.  Und damit empfehle ich Sie 
der Gnade Gottes und küsse Ihnen die Hand. 
N. S. Ew. Herrl. sieht, dass ich mehr als je mit meiner 
alten Offenheit gesprochen habe; da ich aber sehe, dass die 
Sache nie und nie ein Ende nimmt, und Sie mir Veranlassung 
dazu geben, habe ich nicht länger damit zurückhalten können. 
Bottari I. 316.  Nachdem die Korrespondenz mit Fer- 
rante Carlo auf einige Zeit, während welcher Lanfranco öfter in 
Rom arbeitete, unterbrochen worden, findet sich der oben ab- 
gedruckte Brief Lanfrancds, der für die Beurtheilung seiner 
Stellung, gegenüber Domenichino, von nicht geringer Bedeu- 
tung ist. Lanfranco sucht sich zu entschuldigen, aber jede Ent- 
schuldigung wird zu einem neuen Vorwurf. Selbst Dumesnil, 
der sonst den Charakter Lanfrancds in Schutz zu nehmen sucht, 
sieht aus jeder Zeile Groll und Neid hervorblicken. DaSS er 1116 
Groll gegen Domenichino gehegt, kann man geradezu als arge 
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