Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389120
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Erben hervorgehen wird. Denn da die .Malerei schon früher 
den Herren nicht recht gefallen hat 1), so wollen sie dieselbe 
jetzt, wie man zu sagen pflegt, auf's Haar untersuchen. lndess 
soll (lies so geschehen, dass ich meinerseits, wenn ich das bis 
jetzt Vollendete mit Andern zu untersuchen und abzuschätzen 
habe, den Erben so wenig als möglich schaden werde; im Ge- 
gentheil will ich ihnen helfen, wie ich wünschen würde, dass 
es mir selbst geschähe; obschon Domenichino selbst während 
seines Lebens nichts Anderes verdiente, als dass man ihn ganz 
bei Seite liess  und Ew. Herrl. kennt ja auch einen Theil von 
dem, was er mir angethan hat. Ich habe indess niemals im Leben 
Groll gegen ihn gehegt, und thue es noch "viel weniger jetzt, da 
er todt ist. Habe ich doch vielmehr immer gewünscht, mit ihm 
befreundet zu sein, und mir nie etwas gegen ihn zu Schulden 
kommen lassen. 
Jetzt nun haben die Herren mir den Auftrag gegeben, die 
Arbeit zu vollenden, und kein anderer Grund, als dieser, hat 
mich daran gehindert, in jetziger Jahreszeit nach Rom zu kom- 
men. Domenichino hat in eilf Jahren 18,000 Dukaten gewonnen, 
ich in sieben und einem halben Jahre 30,000. Ich sage Ihnen 
dies, weil ich weiss, dass Sie mit Egidio über diesen Gegenstand 
gesprochen und sich über meinen geringen Ueberschuss gewun- 
dert haben. Indess hatte Domenichino auch nicht die Ausgaben, 
die ich habe, und andererseits muss man auch bedenken, dass 
sich mit 1000 Dukaten nicht mehr als acht römische Staats- 
schuldscheine 2) kaufen lassen, wegen des Verlustes an der Münze 
und der jetzigen Valuta der Monti. Ew. Herrl. wird mir darauf 
allerdings erwidern können, dass zwischen dem Einen und dem 
Andern denn doch ein zu grosser Unterschied sei; ich habe 
1) Ein oben ausgelassener Zwischensatz: „siccome vi e stato tanto 
intorno con pastelii, oltra ehe moita (2) se ne eade in fine" deutet darauf 
hin, dass Ddmenichino die Fresken öfter übermait habe und dass dieselben 
zum grossen Theile von der Mauer abfielen. 
2) Luoghi di monte. Zinsbare Papiere, die auf Einnahmen des Kirchen- 
Staats funrlirt waren. Ranke, Päpste ll. 5.408 iT. S. 465 ff.
        

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