Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1389001
lUZ 
Verschwendung seiner Frau u. a. kamen hinzu, jene Leichtig- 
keit zu einer fast leidenschaftlichen Hast zu steigern. Die Zeit- 
genossen, die schon seinen Namen scherzend auf seine franke 
und freie Malweise anwendeten, sprachen geradezu von seiner 
eingeboruen Wuth zu malen (innato furore di dipingere). Je 
schneller er malte, um so zahlreicher kamen die Bestellungen. 
Die Begünstigung einflussreicher Kardinäle kam hinzu, um ihn 
zu einem der gesuchtesten und am besten bezahlten Künstler 
zu machen. In einem Brief vom 19. August 1627 rühmt er sich 
für je eine Figur auf einem kleinen Tafelbilde 200 Scudi ge- 
fordert und erhalten zu haben. Erst seien die läesteller über- 
rascht gewesen, dann aber von selbst wiedergekommen (Bottari 
l. 296). Ein Zeitgenosse sagt, er hatte der glücklichste aller 
Künstler der damaligen Zeit sein können, wenn nicht der Hoch- 
muth und die Verschwendung seiner Frau gewesen wäre. Im 
Jahre 1616 nämlich hatte er Cassandra Barli geheirathet, die 
schön und entschlossenen Geistes war und ihn zu manchen Ver- 
schwendungen verleitet haben soll, wie er sich darüber in einem 
späteren Briefe (s. u. Nr. 30.) lebhaft beklagt. Die Frau aber mag 
daran nicht mehr Schuld gehabt haben, als er selber. Aus allem 
geht hervor, dass er den Genüssen des Lebens in einer Weise 
zugethan gewesen, die seiner künstlerischen Thütigkeit nur 
Nachtheil bringen konnte. Vor einem der Thore Roms hatte er 
sich einen Weinberg gekauft und ein Casino darauf erbaut; hier 
gab er seiner und anderen schönen Frauen zu Liebe verschwen- 
derische Feste 1). S0 war er selbst bei grossem und leichtem 
Gewinn immer in Geldnoth und mit hässlicher Hast um Auf- 
träge bemüht. Ein solcher Grund war es, aus dem seine Feind- 
schaft gegen Domenichino hervorging, die er selbst nach dem 
Tode des letzteren nicht aufgegeben, wenn auch geleugnet hat. 
Es ist allerdings schwer, aus den oft widersprechenden Mitthei- 
lungen der Zeitgenossen, die nicht immer unpartheiisch waren, 
ganz Sicheres über das Verfahren und die Gesinnung Lanfrancds 
1) Der gute Sandrart schildert das häusliche Leben Lanfrancds in 
in sehr idealer Weise. "Und war die Haushaltung des Lanfranco in Pictura, 
Poesia et Musica zwischen Eltern und Kindern (eine Tochter malte) wahr- 
haftig nichts Anderes, denn ein kunstreioher Parnass oder Helikon aller 
Tugenden, dadurch diese zierlichen Leute in allen Theilen dermaassen sich 
geübt, bereichert und forlgebracht, dass sie zu hohem Grad kornmen und 
gelanget sind." Wie arge Missklänge diese schöne Harmonie nicht selten 
zerrissen haben, geht nur zu deutlich aus Lanfrancds Aeusserung an Fer- 
rante Carlo hervor, wonach er Seine Gattin mit dem wenig galanten Bei- 
wort vanimale" beehrt. S. u. Nr. 30.
        

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