Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388937
95 
Die Erfindung ist immer die Hauptsache, alle andern Theile 
der Malerei sind ihr untergeordnet. Und wenn die letzteren 
an und für sich auch noch so gut sind, so haben sie doch 
keinen Werth, wenn sie nicht mit einer schönen Erfindung, 
mit wohlersonnenen Motiven Hand in Hand gehen, und alle 
Figuren zu einem bestimmten Zwecke mitwirken und nicht 
müssig  
In den obigen Zeilen ist der gedrängte Auszug aus einem 
Briefe enthalten, den Francesco Albani an Seinen Freund, den 
Dr. Orazio Zamboni in Bologna von seinem Landsitze in Meldola 
aus geschrieben hat. Es ist das einzige Mal, dass in dieser 
Sammlung ein Auszug statt wörtlicher Uebersetzung gegeben 
wird; eine Uebersetzung zu geben, war indess nicht wohl 
räthlich, indem der Brief bei Malvasia II. 254-257 drei eng- 
gedruckte Quartseiten einnimmt und in einer breiten und ge- 
schwätzigen Schreibweise zum grossen Theil unwichtige Rede- 
reien über persönliche Angelegenheiten und sogar recht achte 
Klatschgeschichten über Guido Reni enthält. Dagegen verdient 
derselbe doch eine gewisse Aufmerksamkeit, indem er auf ein 
Werk Bezug hat, welches Albani in Gemeinschaft mit Zamboni 
in Form eines vTrattato della pitturau herausgeben wollte, und 
welches hier als wiederholtes Zeichen jener schon öfter hervor- 
gehobenen rellektirenden Richtung der damaligen Künstler Er- 
wähnung verdient. Von diesem Werke, das übrigens nicht fertig 
geworden ist und dessen Hauptzweck gewesen zu sein scheint, 
Albani selbt als den ersten Maler erscheinen zu lassen, hat 
Malvasia einige handschriftlich vorhandene Bruchstücke in sei- 
ner Felsina pittrice abgedruckt. Es geht daraus hervor, dass 
Zamboni dieselben nach mündlichen Aeusserungen Albanfs 
niedergeschrieben hat. Einige derselben sind nicht ohne kunst- 
geschichtliches Interesse und es sei mir gestattet, dieselben hier 
kurz anzudeuten. So die Aeusserung über Caravaggio, in dessen 
Manier der Anfang des Verfalles der Malerei gesehen wird 
(S. 244); der Tadel der Kniestücke, die damals mehr als früher, 
namentlich auch von Guido, gemalt wurden (245); die Kritik voll 
Rafaels h. Cäcilie, um welche die Heiligen ganz müssig umher- 
Ständen, ohne irgend eine Verbindung mit der Hauptfigur z" 
haben, ein Fehler, der allerdings durch den besonderen Auf- 
trag zu entschuldigen sei; die Ansicht, dass Malerei und Poesie
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.