Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388920
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scheiden; seinen Schülern war er stets freundlich und liebevoll 
gesinnt. Merkwürdig genug ist er, der Lebemann unter den 
Künstlern, einer von den wenigen, von denen eine besondere 
Frömmigkeit hervorgehoben wird; wfü tutto religioso e pioß, wie 
Malvasia sagt, und als er sein Ende herannahen fühlte, war seine 
einzige Sorge, seinem Beichtvater, der damals in Rom war, nicht 
mehr die letzte Beichte ablegen zu können. Von seinen Briefen 
hätte eine grosse Zahl mitgetheilt werden können; wer die Ori- 
ginale kennt, wird uns indess Dank wissen, dass wir uns auf 
wenige beschränkt haben. 
FRANCESCO ALBANI 
ORAZIO ZAMBONI. 
Meldola, 
1637. 
29. Juli 
Ich erinnere mich, dass neulich beim Vorlesen meiner 
hastig geschriebenen und ungeordneten Notizen einige meiner 
Bemerkungen über die Eigenschaften des Michel Angelo Buo- 
narotti falsch verstanden worden sind. Ich schrieb demselben  
und das thue ich auch wirklich  den ersten Rang zu, indem er 
in der Grossartigkeit der Formen der Grösste gewesen ist unter 
den Neueren; denn weder Giovanni Bellini, Andrea Mantegna, 
Pietro Perugino und Francia, noch auch später Leonardo da Vinci 
und Ralma yeechio haben ihn darin erreicht; doch scheint mir 
Letzterer der Grösse des heroischen Styles am nächsten gekom- 
men zu sein. So war es auch mit Torquato Tasso; nicht sowohl 
was die Erfindungen anbelangt, sondern wegen der Grossartig- 
keit des heroischen Styles, welche vor Tasso, z. B. von Ariosto 
und andern Dichtern der Zeit, auch nicht erreicht worden ist. 
Hätte Michel Angelo diesen Styl nicht erfunden, so wäre er 
nicht würdig gewesen, unter die Vier aufgenommen zu werden; 
in der Grösse übertraf er die Andern; in andern Dingen diese 
ihn: Tizian in der Anmuth und Weichheit; Correggio in der 
engelgleichen Reinheit; Rafael in den Erfindungen, in dem 
Ausdruck und in der Mannigfaltigkeit der Gedanken und Motive.
        

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