Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388915
öfter hingewiesen, zeigt sich bei ihm im höchsten Grade. Wkänll 
er auf derartige Gespräche gebracht wird, steigert sich seine 
Heftigkeit oft bis zur Wuth. Dabei liess er selbst keinen einzigen 
Künstler unberührt von scharfem Spotte, jedem hatte er einen 
Spitznamen angehängt, nur Domemchinds erwähnte er immer 
mit Liebe. Vor Allem aber war ihm seines früheren Freundes 
Guido Ruhm ein Dorn im Auge. Er zürnt auf die Schriftseller, 
die ihn preisen; Bologna nennt er eine uyiehstadta wegen der 
Ehre, die sie seinem Nebenbuhler angedeihen lasst. Seine Ab- 
neigung steigert sich bis zu dem lächerlichen Extrem, dass er 
einmal eine gewisse Art Käse  von Piacenza  um die er so 
eben gehandelt hatte, nicht kauft, weil er hört, Guido Reni 
nehme auch davon. Die jüngeren Künstler verachtet er ganz und 
gar. S0 hatte er stets Stoff zur Unzufriedenheit, nicht einmal 
fürstliche Personen verschonte er mit seinen Klageliedern. Ge- 
gen das Ende seines Lebens betraf ihn ein wirkliches Miss- 
geschick; sein Bruder, der das gemeinschaftliche Vermögen ver- 
waltete, starb und hinterliess eine Schuldenmasse von 67 bis 
70,000 Liren. Das schöne Meldola muss nun verkauft werden. 
Doch scheint sich die Angelegenheit ohne grosse Opfer von 
seiner Seite geordnet zu haben; wenigstens brauchte er seine 
gewohnte glänzende Lebensweise nicht zu ändern. Als er zu 
Bonini, seinem Lieblingsschüler und treuem vAchatesu, wie er 
ihn nannte, an den er über 100 Briefe gerichtet, den Wunsch 
ausspricht, nach Venedig zu gehen (6. Januar 1654. Malvasia 
II. 272), ist er ausser einer Sänfte hauptsächlich um seinen 
Wein besorgt; jedoch gedachte er sich davon nach Venedig 
nachschicken zu lassen. Bis in die letzte Zeit seines Lebens 
war er rastlos thätig; nur ärgerte er sich, dass er weniger 
Bestellungen hätte als sonst. Er schrieb es dem Verfalle des 
Kunstgeschmackes zu. Ohne vorausgegangene Krankheit starb 
er den 4. Oktober 1660, in hohem und glücklichem Alter. Bei 
seiner Gemüthsart ist es nicht zu verwundern, dass auch gegen 
ihn viel Schlimmes von seinen Gegnern, namentlich von den 
Anhängern Guido's, gesagt worden ist. Einen guten Theil der 
oben angedeuteten Schwächen haben namentlich diese ihm vor- 
geworfen. Malvasia, der mit ihm befreundet war, kann ihn nicht 
vor allen Vorwürfen in Schutz nehmen. Doch ist vieles in sei- 
llem Wesen auch Lobes werth. Er war offen und ehrlich und 
Sprach aus, was er dachte. Seine eheliche Treue wird besonders 
gerühmt. Ueberhaupt können ihm Laster gar nicht vorgeworfen 
werden. In den Preisen seiner Bilder war er mäßig und be-
        

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