Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388897
zu untergeordnet schilderten. In seinem zwölften Jahre verlor 
Francesco den Vater und wendete sich sogleich von der Arith- 
metik seiner Lieblingsbeschäftigung wieder zu. Er ging zu Cal- 
vart in die Lehre; fand dort einen frühgren Schmgenosgen, 
Guido Reni, als schon ziemlich weit Vorgeschrittenel) Schüler 
wieder und schloss mit ihm ein enges Freundschaftsbündniss, 
das so lange dauerte, als ihr beiderseitiger geringer Ruhm ihnen 
noch keinen Anlass zur Eifersucht gab. Später kannte er keinen 
ärgeren Feind als Guido Beni. Zunächst aber folgte er ihm nach 
Rom, zumal da ihm die Heftigkeit und Strenge seines Lehrers 
sehr missfiel; er betreibe die Kunst nur als Liebhaberei, sagte 
er ihm, und wolle sich dadurch in seinem angenehmen Leben 
 auf einem Landsitz bei Meldola  nicht stören lassen. In 
Rom, wo er anfänglich mit Guido zusammenw0hnte,- Nachts 
spielten sie Karten, erzählt Passeri,  verheirathete er sich mit 
einem sehr reichen Mädchen, die ihm sehr bald durch den Tod 
entrissen ward und ihm eine Tochter sowie die reiche Mitgift 
hinterliess. Nun gedachte er in einem seiner beiden ererbten 
Häuser in Rom als Junggeselle zu leben, als ihn die Ermahnun- 
gen des älteren Bruders zu einer Aenderung seines Entschlusses 
bewegten. Dieser nämlich verlangte, er solle nach Bologna zu- 
rückkehren, sich dort verheirathen und ein sorgenfreies Dasein 
auf den vom Vater ererbten Gütern führen. Er brauche nur 
zu malen, alle Geldgeschäfte solle er ihm  der Bruder war 
Jurist  überlassen. Francesco weigerte sich lange; nament- 
lich zum Heirathen hatte er gar keine Lust, endlich aber kehrt 
er zurück und heirathet Doralice Fioravanti, die zwar nur 
10,000 Lire Mitgift und ausserdem 2000 Scudi in Besitzthümern 
hat,  seine erste Frau hatte ihm doppelt so viel zugebracht  
die aber schön und geistreich war. Und in der That war diese 
Frau ein grosser Gewinn für den Künstler; konnte er doch für 
alle seine Galateen, Venus, Najaden und Dryaden kein besseres 
Modell bekommen! Ueberdies liess sie es ihm nie an den 
reizendsten Amoretten fehlen, denn sie gebar ihm in rascher 
Folge eilf schöne Kinder, die sie sehr früh schon zu den lieb- 
lichsten und schwierigsten Stellungen anzuleiten wusste, um 
dem Vater als Modell zu dienen, wobei sie aber auch deren Er- 
ziehung und das Hauswesen selbst besorgte. So lebte er bald 
auf dem einen seiner Landsitze, Meldola, bald auf dem andern, 
Qllerzuola, bald in der Stadt, wo er sich ebenfalls Gärten mie- 
thete, indem ihm der Aufenthalt in der freien und schönen 
Natur zum Bedürfniss geworden war. In seiner Familie Selbst
        

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