Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388866
88 
frühen Jugend nach einem Votivbilde bezeugen musste, worauf 
eine dem Antlitz nach schon sehr alte Frau dargestellt war. 
Und obschon das Bild des Heilandes hier wegen der zu schar- 
fen Grundirung, vielleicht mit z-Efde, sehr verloren hat, 
so kann doch nach demjenigen," was davon noch erhalten ist, 
obschon in den Mitteltönen Einiges verdorben ist, ein Sach- 
verständiger wohl behaupten, dass der Maler kein gewöhnlicher 
gewesen sei. 
Dies Alles nun bewegt mich zu dem Entschlusse, diese 
Arbeit nach einem so schönen Anfange nicht zu unternehmen, 
indem die Erinnerung daran dem Besitzer des Bildes immer 
bleiben wird, selbst wenn ich auch etwas Paradiesisches machen 
sollte. Mehr als alles Andere aber wird der Umstand Ew. Herrl. 
meineWeigei-ung gerechtfertigt erscheinen lassen, dass ich nicht 
mehr so viel Aufträge mit einem Male annehme, als mir gemacht 
werden. Auch fange ich an, an meinen eigenen Sachen immer 
weniger Gefallen zu finden, sei es, weil mein Alter mir beschwer- 
lich zu werden beginnt, oder sei es wegen der grossen Anstren- 
gungen von so vielen Arbeiten und Reisen. Ich fühle keine 
rechte Kraft mehr, und werde viel, oder zu viel thun, wenn ich 
das Begonnene, fast möchte ich sagen mit Unlust, zu Ende bringe. 
So also sieht Ew. Herrl., dass es mir nicht möglich ist, Ihnen 
zu Diensten zu sein, und dass dies weder mir, noch Ihnen, zu 
Ehren gereichen würde. Daher ist es denn besser, Ew. Herrl. 
nehmen an, mir diesen Auftrag gar nicht gegeben zu haben, als 
dass Sie mir denselben geben, ohne einen Erfolg davon zu haben. 
Denn dies könnte sehr leicht geschehen, namentlich da ich nicht 
glaube, dieses Jahr zu überleben. Es wird ja kein Mangel an 
Solchen sein, die Ew. Herrl. pünktlich zu Diensten sind, und 
wenn ich Messer Carlo Bononi ersetzen soll, so können Sie mich 
ja durch jenen Genga ersetzen, der ein so guter Schüler des 
Messer Carlo sein soll. Und indem ich Ihnen die Hand küsse, 
verbleibe ich mit Achtung und Verehrung Ihr sehr verbundener 
und ergebenster Diener.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.