Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388843
nicht gleich bezahlen, wolle er das Bild gar nicht machen. Er 
hätte die Vollendung in drei Monaten nur versprochen, um die 
1000 Duc. gleich vorweg zu bekommen! Darauf aber werden 
die Vorsteher der Zunft denn doch böse, man wisse ja gar nicht 
mehr, woran man mit ihm wäre, weder über die Tafel noch über 
das Geld sei man Herr; er hatte niemals Wort gehalten, sie da- 
gegen hätten es niemals an Artigkeit, Vertrauen, Achtung und 
Freigebigkeit fehlen lassen. Die braven Meister durften das mit 
Recht von sich sagen. Auch ändert Guido bald seine Sprache. 
Am 23. Mai 1635 erklärt er sich bereit, die 1500 Duc. erst nach 
der Vollendung des Bildes zu nehmen. Er wolle sich dann die 
1000 Duc. jetzt borgen  die Zinsen dafür müssten sie ihm dann 
aber später ersetzen!  Die Vorsteher lassen sich von Neuem 
auf Unterhandlungen ein; man beschliesst, das nöthige Geld zu 
borgen, weigert sich aber doch, auf das Verlangen Guido's ein- 
zugehen, einen von ihm ausgestellten AWechsel auf 1000 D. mit 
zu unterschreiben! Die Vollendung des Bildes lasst noch ein 
Jahr auf sich warten. Am 7. Mai 1636 wird es nach S. Marta 
gebracht, um gefirnisst und retouchirt zu werden; am 10, Mai 
nach der Mendikantenkirche, wo es bis zum 17. Aug. öffentlich 
ausgestellt und dann auf den Altar gebracht wird.  Die Vor- 
steher nehmen sich bis zum Schluss der Angelegenheit sehr an- 
ständig; ohne dazu verpflichtet zu sein, bezahlen sie dem Ver- 
mittler Sampieri 174 Lire als Zinsen für das Darlehn an Guido, 
und bedanken sich noch überdies bei ihm. Das Verlangen aber, 
Guido selbst noch ein Extrageschenk von 100 Ducatoni zu ma- 
chen, scheint ihnen denn doch etwas zu stark, und sie weigern 
sich dessen  trotz wiederholter Forderung  mit Bestimmtheit. 
Die erste Verpflichtung Guido's sei dahin gegangen, eine Tafel 
mit 25 Figuren zu malen; auf der jetzigen befanden sich nur 
18 Figuren, worunter nur 6 ganze und zwei Kinder; von acht 
anderen sehe man nur die Hälfte u. s. w. Der erste Preis sei 
3000 L. gewesen, der jetzige 7500! Dennoch wiederholt Sam- 
pieri seine Bitte am 25. Januar 1637 vcon modo gagliardou. Die 
Zunft aber beharrte, unter Anführung neuer Gründe, bei ihrer 
Weigerung, und aus den Verhandlungen geht hervor, dass man 
der höchst ungerechten Forderung nicht nachgegeben hat.  
Die Verhandlungen befinden sich in dem Archiv der Zunft, und 
sind von Gualandi (Memorie 129-140) vollständig abgedruckt. 
Was das Bild selbst anbelangt, so stellte dies Hieb auf einem 
Throne dar, nach Ueberwindung aller Trübsal, von seiner Fa- 
milie umgeben. Dasselbe scheint nicht einmal durch innere
        

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