Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388819
antiken Statuen liegen sie, die ich länger als acht Jahre nach 
allen Seiten hin studirt habe, um ihre wunderbare Harmonie mir 
anzueignen. Denn diese allein that Wunder, Ich habe mehr als 
alle Anderen studirt, und mir in meiner Jugend oft Schläge we- 
gen allzugrossen Fleisses zugezogenw Er wollte von Talent 
nichts wissen, alles hätte er erarbeitet. Wie ändern sich doch 
die Zeiten und Menschen! Heut zu Tage Würde man den ge- 
wöhnlichsten Maler heftig erzürnen, wenn man ihm Fleiss, 
Mühe, Studium zugeben und nur die natürliche Anlage bezwei- 
feln wollte. Lieber verzichten sie auf den Ruhm gewissenhaften 
Strebens, ernster Arbeit, rastloser Anstrengung in der Bewälti- 
gung der Schwierigkeiten, aber an dem angebornen Talente darf 
ihnen Niemand rühren. Das ist das Palladium, hinter dem sich 
zuletzt auch der Schwächste verstecken wird. Und gerade da- 
gegen wehrt sich damals der grösste Künstler Italiens mit allen 
Kräften! Es schien ihm ehrenvoller, seine Vollendung bewuss- 
ter Anstrengung und eifriger Mühe, als angeborener Begabung 
zu verdanken. Seine künstlerische Grösse sollte keine zufällige 
Gunst, sie sollte seine eigene That seinl Solche Züge hat man 
wohl zu beachten, wenn man die verschiedenen Erscheinungs- 
weisen des Kunstgeistes und des künstlerischen Bewusstseins 
in den verschiedenen Zeiten ergründen will. 
Gvmo Rxanfs 
Kontrakt mit den Vorstehern 
in Bologna. 
der 
Seidenzunfc 
30108931 
21. April 
1622. 
Der ehrenwerthe Herr Guido, Sohn des verstorbenen 
H. Daniel Reni, Bürger und Maler zu Bologna, verspricht aus 
freien Stücken und ohne allen Irrthum von seiner Seite, den 
Vorstehern der Seidenzunft, so wie den Vorstehern der Kapelle 
dieser Zunft in der Mendikantenkirche, und verpflichtet sich, 
für den Altar dieser Kapelle ein Bild zu malen. Das Bild soll 
die Glückseligkeit des Hiob darstellen, und es sollen sich darauf 
mehr als 25 Figuren befinden, von denen zehn von etwas mehr 
als Lebensgrösse ganz zu sehen sind, nebst Architekturen und 
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