Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388800
besass: grosse und schöne Figur, edle Züge, Schöne Farben, bis 
auf die langen und schmalen Hände. Anderes ging über diese 
Erfordernisse weit hinaus, Geschmack in der Kleidung, Massig- 
keit im Leben, Reinheit der Sitten. Selbst den höchsten Per- 
sonen gegenüber bewahrte er seine Würde; gerade gegen sie 
beobachtete er eine weise Zurückhaltung. Einladungen nahm 
er nur selten an. Es ist sehr bezeichnend, dass der Kardinal 
Sacchetti sich rühmte, ihn einmal bei sich zu Tisch gehabt zu 
haben. Eine gewisse Scheu vor persönlichen Ehrenbezeugungen 
hat ihn nie verlassen; seine literarischen Freunde Rinaldi, Ma- 
rini, Preti u. a. bat er, ihn mit Lobgedichten, die damals an der 
Tagesordnung waren, zu versehenen. Als einmal (im Jahre 
1632) ein Buch erschienen war: "Lodi al Signor Guido Renii, 
kaufte er die ganze Auflage, liess einen neuen Titel drucken: 
vLodi a varie pitture del Signor Guido Renin und schenkte das 
Ganze dem Buchhändler zurück. An dem Lobe seiner Kunst 
erfreute er sich, für sich selbst verlangte er kein Lob. Er ging 
am liebsten am späten Abend aus, um nicht so viel gegrüsst 
zu werden. Er war, wie namentlich aus den Aeusserungen 
seines früheren Freundes, dann leidenschaftlichen Gegners, 
Albani hervorgeht, ein Mann des Volkes, das ihn liebte und 
stolz auf ihn war. 
Was uns von seinen Urtheilen über gleichzeitige Künstler 
überliefert ist, zeigt eine sehr richtige und leidenschaftslose Be- 
obachtung. Guercino preisst er als grossen Koloristen, aber ein 
Rafael sei er doch nicht; Caravaggio ist ihm zu natürlich; Arpino 
zu kühn. Albani sei gar kein Maler, sondern ein vornehmer 
Mann, der seinen anmuthigen Gedänkchen und schönen Ge- 
schichtchen zum Scherz und zur Unterhaltung nachhänge. Von 
den Meistern der Vergangenheit hielt er am höchsten Rafael und 
Paul Veronese; von den Zeitgenossen Domenichino und Peter 
Paul Rubens. Sehr bezeichnend ist das, was er über sein eige- 
nes Wesen und seine eigene künstlerische Natur sagt. Er är- 
gert sich, wenn man von ihm behauptet, seine Vortrefflichkeit 
beruhe auf natürlicher Begabung.  Albani sagte in der That 
von ihm, sein einziges Verdienst sei sein vbel caratterev und 
die angeborne Begabung. vChe carattere propriolt rief er 
dann wohlin ächt italienischer Weise aus. ßWas natürliche 
Anlage, was angebornes Talentl Mit Mühe und Arbeit habe ich 
mein Wissen und Können erworben. Das kommt Niemandem 
im Schlafe. Jene vollkommenen Ideale sind mir nicht im 
Traum und in der Verzückung offenbart worden  in den
        

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