Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388781
Rom zurück, und nun beginnt der vornehme Theil seines Le- 
bens. Kardinäle und Fürsten begrüssten ihn, Wagen wurden 
ihm bis Ponte molle entgegengeschiekt, der Papst empfing ihn 
ausserst huldvoll; man wurde an die Versöhnung Papst Julius' II. 
und Michel Angelo's erinnert. Das Verhältniss beider hat in der 
That etwas Aehnliches  nur dass es im 17. Jahrhundert statt- 
fand, und jenes im sechszehnten. Paul V. blieb dem Künstler 
immer gütig gesinnt; selbst als dieser zu wiederholten Malen, 
meist aus verletztem Künstlerstolz, Rom verlassen, entschul- 
digte ihn der Papst. Malern und Dichtern, sagte er, sei Alles 
gestattet. An keiner Art von Ehrenbezeugung fehlte es ihm. 
Kardinal Sacchetti hielt ihm einmal, als er ihn beim Rasiren 
fand, das Seifbecken, und dachte dabei selbst an Carl V., der 
Tizian den Pinsel aufhob. Jetzt möchte man vielleicht dabei den- 
ken, dass das 17. Jahrhundert eine Parodie auf das sechszehnte 
gewesen sei.  Kein Wunder übrigens, wenn Guido verwöhnt 
wurde und sich leicht verletzt fühlte. Es mag schwer gewesen 
sein, ihm in Allem genug zu thun. Daher finden wir denn auch, 
dass er sich selbst mit seinen Lieblingsschülern leicht entzweit, 
die, wie Sementi und Gessi  wohl nicht ohne Schuld von bei- 
den Seiten  seine erklärten Gegner werden. Daher die merk- 
würdige Erscheinung, dass er oft mit den Auftraggebern in 
Streit liegt, während z. B. Albani, der mit allen Künstlern ha- 
derte, mit den Auftraggebern selten Misshelligkeiten gehabt hat. 
Aeusserlich übrigens behandelte er auch die Geldgeschäfte höchst 
vornehm, d. h. er liess alles durch Unterhändler besorgen, in- 
dem es ihm selbst unanständig erschien, von Geld und Geld- 
angelegenheiten zu sprechen. Nicht immer scheint er aber dabei 
wirklich anständig verfahren zu sein. Vornehm und ehrenhaft 
waren schon damals zwei sehr verschiedene Begriffe. Da haben 
wir denn für unsern Künstler keinen andern Entschuldigungs- 
grund, als den  freilich sehr mächtigen  der Leidenschaft. 
Wir nannten ihn den Künstler der Noblesse; nun, er hatte auch 
eine der noblen Passionen. Je mehr er den Frauen und der 
Liebe abgeneigt war  er soll einmal ausser sich gewesen sein, 
als durch einen Zufall ein F rauenhemde unter seine Leibwäsche 
gekommen war  um so mehr war er dem Spiel ergeben. Und 
zwar spielte er nicht des Gewinnes wegen, sondern rein aus 
Liebe zu der Aufregung, die den eigentlichen Reiz jener da- 
monischen Leidenschaft ausmacht. Er spielte immer unglück- 
lich; nur einmal gewann er in einer Nacht 4000 Dublonen, aber 
er hatte keine Freude daran; es sei ihm unheimlich zu Muthe
        

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