Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388770
Nun wurden ihm grosse Wandmalereien im päpstlichen Palast 
auf Monte Cavallo übertragen; T38 und Nacht arbeitet er; am 
Tage auf dem Gerüst, bei der Nacht an den Kartons, wonach er 
und seine Genossen am folgenden Tage malen sollen. Antonio 
Caracci, Domenichino, Lanfranco und Albani werden von ihm 
beschäftigt und hesoldet. Eine Misshelligkeit mit dem Schatz- 
meister in Betreff der Bezahlung veranlasst ihn, voll Zorn Rom 
zu verlassen. Er geht nach Bologna zurück und beschliesst, gar 
nicht mehr zu malen, sondern lieber mit Bildern Anderer zu 
handeln. wUm wie viel bequemer, sagte er, sei es nicht, von 
der Arbeit Anderer zu leben, als Selbst Solche Arbeiten zu 
machen. Was soll ich mir den ganzen Tag den Kopf zerbrechen, 
mit Grossen und Ministern mich herumstreiten , und wo ich mich 
mit Heiterkeit und Ruhe dem Schaffen hingeben sollte, mir mit 
Gedanken erlittenen Unrechts das Gemüth verbittern? Welchen 
Aerger habe ich jetzt mit den Klagen über zu langsames Arbei- 
ten und zu hohe Preise. Und doch habe ich die Kreuzigung des 
h. Petrus für erbärmliche 70 Scudi gemalt. Ueber drei Jahre habe 
ich mich abgequält, Berge und Meere hat man mir versprochen, 
und nun kann ich nicht einmal erhalten, was man mir schuldig 
ist". Diese und andere Klagen, die hier zu weit führen würden, 
sprach er öffentlich aus (Malv. ll. 21), und begann wirklich eine 
Sammlung für den Kunstliandel anzulegen, der, wie immer 
der Handel mit den Geistesprodukten Anderer lohnender ist, als 
die geistige Produktion selbst, in der damaligen Zeit allgemeiner 
Kunstliebhaberei sehr grossen Vortheil abwarf. Da mahnte ihn 
Calvart, der bei manchen Fehlern ein trefflicher Mann und eh- 
renhafter Charakter war, mit väterlicher Offenheit, er solle nicht 
die Ehre über dem Gewinn vergesssen, und seinen Nebenbuhlern 
durch solche Niedrigkeit nicht gerechten Grund zur Anklage 
geben. Guido, dem es wohl mit diesem Entschlüsse nie ganz 
Ernst gewesen, gab nach, und begann nun wieder zu malen, 
indem er Auftrage um jeden Preis annahm, und mit kühnen 
Pinselstrichen und einer gewissen vsprezzatura da gran maestror 
darauf los arbeitete. Ein psychologischer Process, der bei der 
Würdigung seiner späteren raschen und freien Manier nicht 
ausser Acht gelassen werden darf. 
Bald aber sollte er von dieser Thatigkeit weg zu einer 
grösseren Laufbahn berufen werden. Papst Paul V. setzte alle 
Mittel in Bewegung, den Künstler wieder zu gewinnen, und 
Süchte vor Allem das Unrecht des Schatzmeisters wieder gut 
zu machen. Unter ehrenvollen Bedingungen kehrt Guido nach
        

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