Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388769
Lob abgeneigt und ging ihm, wo er nur konnte, aus dem Wege. 
 Die Vorliebe Lodovicois für den talentvollen Jüngling war 
sehr gross; er ward ihm ein so guter Lehrer, dass jener, wie er 
selbst sagte, bald wzu viel WUSStGm Annibale, auf die Wah- 
rung eigenen Ruhmes bedacht, warnte den Vetter: vDu wirst 
noch einmal über ihn zu seufzen habem, sagte er. Unter den 
Mitschülern aber erregte jene Vorliebe Neid und man suchte 
die Beiden zu entzweien. Nachdem dies gelungen war, ging 
Guido nach Rom. Hier ward er von dem Cavaliere d'Arpino, 
einem der Häupter der Manieristen, mit grosser Liebe empfan- 
gen, namentlich um eine gewisse Opposition gegen den Natu- 
ralisten Caravaggio mit ihm zu machen. Es erklärt dies Ver- 
hältniss die sonst auffallende Erscheinung, dass Guido, dem 
schon in der Schule der Caracci eine allzugrosse Grazie und 
ein Hinneigen zur schwächlichen und matten Kunstweise der 
Zuccheri und Passerotti vorgeworfen worden war, sich plötz- 
lich der derben, gewaltigen und düstern Weise der Natura- 
listen zuwendete. Seine Gegner bekämpft man am besten mit 
deren eigenen Waffen. Wie sehr Guido dies gelungen ist, 
geht aus einigen seiner früheren Werke hervor, die man, wie 
z. B. das Martyrium des heil. Petrus im Vatikan, geradezu für 
Erzeugnisse Caravaggids oder Ribera's halten könnte. Arpino 
meinte einst zum Kardinal Borghese, Guido würde sich noch 
ganz in einen Caravaggio verwandeln, und als man Guido 
einmal sagte, sein heil. Petrus könne für ein Bild Caravaggiois 
gehalten werden, erwiderte er: vwollte Gott, dass dem so seilu 
Annibale Caracci war äusserst erzürnt darüber, niemand aber 
mehr als Caravaggio selbst, der sich auf seinem eigenen Gebiete 
und doch von Seiten einer Schule angegriffen sah, die seiner 
Auffassung so sehr zuwiderlief. Er solle sich nur nicht ein- 
fallen lassen, gab er Guido zu verstehen, mit ihm zu kon- 
kurriren; er Würde ihm ganz anders als mit dem Pinsel ant- 
worten. Dem Antrage eines förmlichen Duells Wusste sich 
Guido mit Feinheit zu entziehen. Sein Erfolg steigert sich 
immer mehr und mehr. Die Aufträge vermehren sich seit 1610 
ungefähr so sehr, dass er, sei es wegen wirklicher Ueber- 
haufung, sei es, wie man ihm nachsagte, aus einer gewissen 
schlauen Berechnung, viele Caparren  Anzahlungen  Zu- 
rückgab. Seine Arbeiten wurden besser bezahlt, als man sonst 
gewohnt war; Annibale Caracci erwähnt missbilligend und doch 
wohl nicht ohne eine gewisse Eifersucht, dass er für eine Arbeit 
von wenig Monaten 400 Sendi gefordert und erhalten habe.
        

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