Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388757
Wer so die Schwächen der Zeit theilt und denselben einen ge- 
falligen Ausdruck zu geben vermag, wird stets grossen Erfolges 
gewiss sein. Die Zeit will sich in den Werken eines Künstlers 
immer selbst wiederfinden. Wer ihr die ernsteren Seiten ihres 
Wesens entgegenhalt, wie dies Domenichino gethan, für den 
wird sie immer Respekt haben; ihm iSf der "Erfolg der Achtungi 
gewiss, wie ihn Domenichino auch wirklich errungen hat. Wer 
ihr aber ihre Schwächen zu stattlicher Erscheinung bringt, wer 
es versteht diesen Schwächen gleichsam eine künstlerische 
Weihe zu verleihen, den wird sie verehren und lieben. Denn für 
seine Schwachen hat der Mensch  eben eine Schwäche. Dies 
ist so wahr, dass es bis auf die Gegenwart gilt und wer die Er- 
folge heutiger künstlerischer Produktion  im Drama, in der 
Musik, in der bildenden Kunst  prüfend gegeneinander ab- 
wägt, wird das Mehr oder Minder derselben fast immer durch 
die grössere oder geringere Theilnahme an den Schwachen der 
Gegenwart selbst bedingt finden. S0 haben wir die Kunstweise 
und die Erfolge des Guido im Verhaltniss zu seiner Zeit zu 
betrachten. Es ist in dieser Beziehung sehr bezeichnend, dass 
Malvasia, sein Freund und jüngerer Zeitgenosse, ihn den Vater 
der modernen Kunst nennt.  Guido Reni war der Sohn eines 
Musikers in Bologna, der ihn zu seiner Kunst erziehen wollte. 
Calvart bewegte ihn, den Sohn zu ihm selbst in die Lehre zu 
geben. Schon als Knabe kann er dort den andern Schülern als 
Muster aufgestellt werden; schon im achtzehnten Jahre malt 
er Bilder, die der geizige Meister für viel Geld, natürlich zu 
seinem eigenen Vortheil, verkauft. Möglich, dass diese Erfah- 
rung dem jungen Künstler jenen Sinn für die Geldverhaltnisse 
gegeben, den er später bei aller Vornehmheit beibehalten hat. 
Solche erste Erfahrungen bleiben selten ohne nachhaltige Fol- 
gen. Gewiss ist es, dass er seinem Lehrer durch dies Verfahren 
entfremdet wurde. Er floh zu den Caracci; Lodovico empfing 
ihn mit offenen Armen, Calvart bemühte sich vergebens den 
fähigen Schüler seinem Atelier wieder zu gewinnen. In der 
Schule der Caracci tritt ein schöner Zug seines Wesens hervor, 
die persönliche Bescheidenheit, die er auch später nie ver- 
leugnet hat, und die durchaus nicht mit dem Streben nach Ehre 
und Geltung unvereinbar ist. Wenn er im Atelier gelobt wurde, 
So erröthete er; Lodovico glaubte dann  er war schön von Ge- 
stalt und Angesicht  einen Engel in ihm zu erblicken! Noch in 
Späten Jahren, als er schon ganz der vornehme Mann Wer und 
sich auf dem Gipfel des Ruhmes fühlte, war er persönlichem
        

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